Die Siebziger – Das Kultjahrzehnt ganz anders

Schlaghosen, Plastikmöbel und Discokugeln. So kennt man die Siebziger heute. Dass das Kultjahrzehnt mehr ist, als Hippies und Afrolocken, zeigen drei Graphic Novel–Neuerscheinungen aus diesem Frühjahr:

WizzywigBei Wizzywig befinden wir uns in den USA der 1970er Jahre. Computer sind nur etwas für Freaks und Fachleute. Doch Kevin Phenicle hat begriffen, welches Potential in der neuen Technologie steckt. Der hochbegabte Junge bringt sich selber Programmieren bei und findet heraus, wie man Datenbanken und Telefonsysteme manipulieren kann. Schon bald wird das F.B.I. auf ihn aufmerksam, und eine gnadenlose Hetzjagd auf den angeblichen Super-Hacker beginnt.Kevin wird im Fernsehen gebrandmarkt und zu einem gefährlichen Kriminellen abgestempelt,der die nationale Sicherheit bedroht.

Ed Piskor vermischt in seiner fiktiven Biographie Wizzywig die Lebensläufe mehrerer Hacker, die es tatsächlich gegeben hat. Ein cleverer Comiccocktail über die Frühphase der Personalcomputer und des Hackertums, gleichermaßen spannend, witzig und tragisch.

Wizzywig wird Anfang Mai bei Egmont Graphic Novel erscheinen. Der Preis liegt bei 19.99 EUR für 288 Seiten.

Hip Hop Family TreeDie Anfänge des Hip Hop sind das Thema Hip Hop Family Tree, das ebenfalls von Ed Piskor gezeichnet wurde. DJ Kool Herc, Grandmaster Flash und die Furious Five, oder Afrika Bambaataa und RUN-D.M.C waren die Taktgeber beim beispiellosen Siegeszug eines Musik- und Lebensstils, der im New York der späten 1970er Jahre in den Parks, Aufnahmestudios, Radiostationen und Clubs der South Bronx seinen Anfang nahm.

Eine spannend und ungemein kenntnisreich erzählte Kulturgeschichte aus der Frühzeit des Hip Hop, die im Mai bei Metrolit erscheinen und 22.99 EUR kosten wird.

 

AyaEnde der 1970er-Jahre: In der ivorischen Metropole Abidjan leben Aya und ihre zwei Freundinnen Adjoua und Bintou. Aya ist 19 Jahre alt, das Alter, in dem alles erreichbar scheint – vielleicht sogar ein Medizinstudium gegen den Willen des Vaters, der seine Tochter lieber heute als morgen verheiratet sähe. Während Aya von einer Zukunft als Ärztin träumt, schlagen sich Adjoua und Bintou die Nächte in den örtlichen Tanzbars um die Ohren und rauben ihrer Freundin mit ihren chaotischen Liebschaften den letzten Nerv…

Ob nun die Wahlen zur »Miss Stadtteil« vor der Tür stehen oder Ayas quirlige kleine Geschwister – von deren Existenz sie bisher nicht das Geringste geahnt hatte – in Marguerite Abouets und Clément Oubreries schwungvollem “Alltags-Dramolett ist alles möglich und nichts so, wie es scheint” (Süddeutsche Zeitung). Hinreißend komisch und voller Lebensfreude zeigt Aya ein Afrika fernab westlicher Klischees und lässt trotz der sich überschlagenden Ereignisse auch Raum für nachdenkliche Zwischentöne.

Aya aus dem Hause Reprodukt hat 360 farbige Seiten und kostet 39 EUR.

Yeah, Yeah, Yeah – Graphic Novels über die Beatles

Fans der Pilzköpfe, aufgepasst! Die wohl erfolgreichste Band der Musikgeschichte war schon Thema dutzender Bücher und Filme. Jetzt füllen sich auch die Comic-Regale immer mehr mit Band-Biographien und Geschichten rund um die Fab Four.

 

beatleAktuellstes Beispiel: Morgen erscheint bei Panini eine Graphic Novel, die sich mit den Anfängen der Band beschäftigt. »Der fünfte Beatle« erzählt die wahre, unbekannte Geschichte von Brian Epstein, dem Visionär, der die Beatles entdeckte, managte und sie zu bis dahin unerreichtem Starruhm führte, während er auf dem Weg die Regeln des Popmusik-Business änderte. Aber Brian Epstein war auch ein Außenseiter, der beständig den Platz im Leben suchte, wo er hingehörte – und der mit 32 Jahren einsam starb.

Das Buch hat 174 Seiten und kostet 24.99 EUR.

 

liverfoolNoch etwas weiter zurück geht die Graphic Novel von Gihef und Damien Vanders. Hier geht es um die Zeit vor dem großen Erfolg der Band und Allan Williams, der den Beatles zu ihren ersten Auftritten in den Kellern von Liverpool und den hippen Clubs von Hamburg verhalf. Liverfool ist die Geschichte des vergessenen Managers, der zur Legende der größten Gruppe aller Zeiten beigetragen hat.

Bei Edition 52 erschienen, kostet das gute Stück 18 EUR und umfässt 116 Seiten.

 

babys in blackDer Aufenthalt der Beatles in Hamburg Anfang der 1960er Jahre war auch der Auslöser für die Geschichte, die Arne Bellstorf in »Babys in Black« nacherzählt. Es geht um die junge Fotoassistentin Astrid Kirchherr, deren Beziehung zu einem jungen Grafiker so dahinplätschert. Nach einem Streit steht er mitten in der Nacht wieder vor ihrer Tür, um ihr völlig aufgelöst zu erzählen, was er auf St. Pauli entdeckt hat: Fünf junge Engländer, die unter dem Namen »The Beatles« in einem Klub auf der Reeperbahn Rock ‘n’ Roll spielten. Als Astrid schließlich einwillig, ihn am folgenden Abend in den Kaiserkeller zu begleiten, ahnt sie noch nicht, dass diese Begegnung ihr Leben für immer verändern wird…

Babys in black ist bei Reprodukt erschienen, enthält 224 Seiten und kostet 20 EUR.

 

Ausstellung : Kafka in KomiKs

Dass Comics immer komisch sein müssen, ist ein Vorurteil, dass schon vielfach widerlegt wurde. Graphic Novels, die sich mit dem Leben und den Werken Franz Kafkas beschäftigen, sind wohl die besten Belege dafür.

processDas Literaturhaus Stuttgart widmet ihnen unter dem Titel »Kafka in KomiKs« zur Zeit eine ganze Ausstellung. Kuratiert wird diese u.a. von David Zane Mairowitz, der schon an der Graphic Novel- Umsetzung von Der Process mitwirkte.

Das ist die Erzählung über Josef K., der eines Morgens ohne Grund verhaftet und in ein undurchschaubares Gerichtsverfahren verwickelt wird. Ein verwirrendes Ereignis löst das nächste ab, und K. versucht immer verzweifelter, seine Unschuld zu beweisen – bis ihm schließlich das fatale Urteil überbracht wird.

Die Szenen aukafkas Der Process werden in der Ausstellung durch Bilder aus der von Comiclegende Robert Crumb gezeichneten Biographie Kafka für Anfänger ergänzt, die im Mai bei Reprodukt neu aufgelegt wurde. In ihr haben David Zane Mairowitz und Robert Crumb höchst anschaulich all das zusammengetragen, was man über Franz Kafka wissen sollte: von seiner Kindheit bis zum posthumen Kafka-Kult; über die Konflikte, die der Schriftsteller mit sich selbst und anderen, allen voran mit seinem Vater auszutragen hatte.

Außerdem gibt die Ausstellung Einblicke in die  Comicadaption von »Das Schloss« von Jaromir99, die nächstes Jahr bei Knesebeck erscheinen wird.

Einen interessanten Video-Beitrag zur Ausstellung gibt es hier.

»Kafka in KomiKs« ist noch bis zum 07.Februar 2014 im Literaturhaus Stuttgart zu sehen.

Super-Unterwasser-3-D-Comic für Kinder: Jim Curious

Matthias Picard: Jim Curious

Matthias Picard: Jim Curious
2013. 52 Seiten farbige 3D-Abbildungen
310 mm. Gebunden. Von 6-99 J.

Was für eine lustige Idee: Jim Curious, der Taucher, sieht mit seiner Taucherbrille unter Wasser alles ganz anders – in 3 D.

In seinem altertümlich anmutenden Taucheranzug schickt Jim Curious sich an, die Wunder des Meeres zu erkunden. Vorbei an Fischen aller Art geht es hinab zum unheimlichen Wrack einer spanischen Galeone. Jim Curious durchschreitet das versunkene Atlantis und taucht schließlich bis in die dunkle Welt der Tiefsee, in der es die bizarrsten Monster zu bestaunen gibt.

»Jim Curious« ist ein unvergleichlicher Tauchausflug auf Papier. Dank atemberaubender 3-D-Effekte gewinnt Matthias Picards Unterwasserwelt buchstäblich an Tiefe, Fischschwärme erwachen zum Leben, Schiffswracks locken mit geheimnisvollen Schatten Seite an Seite mit Jim Curious gibt es in dieser spek-takulären Mischung aus 3-D-Comic und -Bilderbuch überall etwas zu entdecken. Für große wie für kleine Abenteuer.

»Jim Curious« ist einer der Graphic-Novel-Titel für Kinder bei Reprodukt und kostet 20 EUR.

Schönheit von Hubert und Kerascoët als Vorzugsausgabe mit Extradruck

schoenheitDie heißersehnte Reprodukt-Neuerscheinung Schönheit von Hubert und Kerascoët kommt als Vorzugsausgabe mit Extradruck.

Die auf 999 Exemplare limitierte Ausgabe wird mit einem Extra-Cover und einem Extradruck geliefert.

Frühe Vorbestellungen empfehlen sich – die Vorzugsausgabe wird sicherlich schnell verkauft sein.

 

 

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So sieht der Extra-Druck aus!

Schönheit von Hubert und Kerascoët umfaßt 152 Seiten, ist ein Hardcover, kostet 39 EUR und erscheint Anfang Oktober bei Reprodukt.

 

»Das Interesse an Comics ist viel größer als noch vor etwa 10 Jahren.« 15 Fragen an Reprodukt

Bei Reprodukt haben wir gleich mit mehreren Kolleginnen telefonischen und Email-Kontakt. Man hört und liest aus den Gesprächen und Mails heraus, dass bei ihnen zur Zeit ganz gut die Post abgeht. Jutta Harms findet netterweise trotz einer einwöchigen Pressereise noch Zeit, uns die Antworten auf unsere Interviewfragen zu schicken – zusammen mit einem grandiosen Verlagsportrait von Mawil:

mawil.reprodukt in farbe

© Mawil, 2013

1.)    Den Verlag gibt es seit?

1991

2.) Wie viele Mitarbeiter seid Ihr, wer macht das Programm?

Wir sind sieben fest Angestellte, ein Verleger und viele freie Mitarbeiter. Das Programm besprechen wir gemeinsam, wobei alle Mitarbeiter Titel vorschlagen und in den Programmdiskussionen verteidigen können. Der Verleger hat das Recht auf ein Veto, aber die Entscheidung für die Programmplätze muss von allen mitgetragen werden.

9783943143089-389x5003.) Welche Kriterien habt Ihr für die Titelauswahl?

Authentische Geschichten, Zeichnungen und Geschichte müssen von gleichermaßen überzeugender Qualität sein. Wir arbeiten mit unseren Autoren langfristig zusammen, das drückt sich auch in der Programmgestaltung aus.

4.) Wie ist Euer Verhältnis Eigenproduktion / Lizenzübernahme

Eigenproduktionen machen etwa zehn Prozent des Programm aus.

5.) Exportiert Ihr Lizenzen, verkauft Ihr Eure Originalausgaben auch ins Ausland?

Seit einigen Jahren verkaufen wir zunehmend Lizenzen, sogar nach Frankreich, was lange Zeit nicht möglich war, aber auch nach Polen, England, Spanien und Italien, in die USA oder sogar nach Japan.
In Österreich und in der Schweiz verkaufen wir auch unsere Ausgaben über Vertriebe vor Ort.

6.) Sagst Du ein paar Worte zur Entwicklung des deutschsprachigen Comics?

Feuchtenberger, Anke : Die Hure HDie Zeichner, die den Aufbruch des Comic in den 1990ern mitgestaltet haben, wie Anke Feuchtenberger, Martin tom Dieck, Atak, Hendrik Dorgathen, sind mittlerweile Professoren und unterrichten die junge Zeichnergeneration. Das Interesse an Comics ist viel größer als noch vor etwa 10 Jahren, was auch daran liegen kann, dass das Medium mittlerweile eine andere Wertschätzung erfährt. Damit haben Zeichner eine wesentlich bessere Perspektive. Das Resultat ist, dass von den Hochschulen viele gut ausgebildete und motivierte Zeichner und Zeichnerinnen kommen.

7.) Wie wird der deutschsprachige Comic-Markt im Ausland eingeschätzt?

Soweit wir das beurteilen können, wird die Vielfalt der deutschen Comicszene sehr positiv bewertet. Der bereits erwähnte Lizenzhandel belegt das.

8.) Seit wann sprecht Ihr von Graphic Novels?

Der Oberbegriff Comic hat für uns nach wie vor Gültigkeit. Auch Graphic Novels sind Comics.
Als nach dem großen Erfolg von Persepolis sich zunehmend auch ein neues Lesepublikum und der Buchhandel für diese Form von Comic zu interessieren begann, wurde deutlich, dass es eine differenziertere Begrifflichkeit geben muss. Als Orientierungshilfe haben deutsche Verlage den von Will Eisner schon 1988 geprägten Begriff der Graphic Novel eingesetzt, um die Unterscheidung zwischen in einem Band abgeschlossenen Geschichten und Comicserien zu ermöglichen.

9.) Ist die Entwicklung des Comic-/Graphic-Novel-Marktes gut für Euch?
Es gibt mehr Aufmerksamkeit für das Genre, aber auch mehr Wettbewerb…

Wir sehen vor allem die Vorteile. Der Buchmarkt hat sich für Graphic Novels geöffnet, die seit einigen Jahren stetig wachsende Umsätze erfahren. Und wir haben gegenüber den neuen Akteuren den Vorteil, dass wir über Knowhow und langjährig gewachsene Netzwerke verfügen. Viele Autoren schätzen unser kontinuierliches Engagement und ziehen es deshalb  vor, ihre Bücher bei uns herauszubringen.

10.) Wie hat sich die Zusammenarbeit mit den Partnerverlagen rund um die Domain graphic-novel.info entwickelt?

Cover_GN_FlyersmallEin gemeinsames Thema auch gemeinsam zu präsentieren hat sich als richtig herausgestellt.
Leser, Buchhandel, Bibliotheken und nicht zuletzt die Presse schätzen die gebündelten Informationen sehr.
Die redaktionelle Arbeit dafür liegt bei Reprodukt. Wir geben auch den ebenfalls verlagsübergreifenden Flyer Was sind Graphic Novels? heraus, der im Buchhandel kostenlos verteilt wird. Derzeit ist bereits die sechste Auflage des Flyers im Handel.

11.) Was wünscht Ihr Euch von einer Neugründung wie uns? Was fehlt Euch?

Wir wünschen uns, dass ihr euren eigenen Zugang zu Graphic Novels und Comics findet, unabhängig von vermeintlichen Trends und Hypes. Dass ihr damit nachhaltig ein eigenes Sortiment aufbaut, und dieses euren Kunden vermitteln könnt.
Wir freuen uns, wenn wir euch mit unserer Begeisterung für Comics und Graphic Novels anstecken können!

12.) Zurück zu Eurem Programm: Was waren Eure größten Erfolge?

178823_0Unter anderem Baby’s in Black von Arne Bellstorf, Gift von Peer Meter und Barbara Yelin, Habibi von Craig Thompson, Jimmy Corrigan von Chris Ware, „Mumins“ von Tove Jansson oder Pjöngjang und Aufzeichnungen aus Jerusalem, die Reportage-Comics von Guy Delisle.

13.) Was sind aktuelle Schwerpunkte?

Im Herbstprogramm erscheint Schönheit vom Autor Hubert und dem Zeichnerduo Kerascoët, ein Märchen für Erwachsene über Eitelkeit und Macht, In der Küche mit Alain Passard von Christophe Blain, das faszinierende Porträt eines Meisters der französischen Gemüseküche und unsere Edition von hochwertigen Sammelbänden mit Comics von Robert Crumb, der in diesem Jahr 70 geworden ist.Hubert ;  Kerascoët ;  Cosset, Sébastien  :  Schönheit

14.) Kannst Du was über Eure Pläne sagen?

Im nächsten Jahr kommen neue Comics von Zeichnerinnen und Zeichnern aus Deutschland heraus. Wir freuen uns auf den neuen Comic von Mawil, der im Juni 2014 kommen soll.
Auch das Programm mit Comics für Kinder bauen wir weiter aus, nachdem diese seit dem Start Anfang 2013 sehr gut angenommen worden sind.

15.) Für welchen Titel / Autor wünscht Ihr Euch einen größeren Erfolg?

Für alle!

 

 

Weitere Interviews in der Reihe führten wir mit David Basler, Edition Moderne sowie Johann Ulrich, avant-Verlag und Peter Graf, Metrolit.

Steffen Kverneland: Munch und weitere Kunsttitel in der »Presse«, Wien

MunchEin schöner Übersichtsartikel über Kunst im Comic kommt von der konservativen Presse aus Österreich:

Über den obigen Munch-Band schreibt Christoph Huber:

»Museumsreifer „Munch“. Der Norweger Steffen Kverneland legt mit dem dicken Prachtband „Munch“ ein Musterbeispiel vor, das der Kunstbetrieb bereits abgesegnet hat: Norwegens Nationalgalerie hat das erste Kapitel der Comic-Biografie erworben.«

Steffen Kverneland: Munch ist erschienen im Avant Verlag und kostet 34.95 EUR.

Edvard Munch (1863 – 1944) ist einer der wichtigsten Maler seiner Zeit. Der Norweger, der zeitweilig auch zeitweilig in Deutschland lebte und arbeitete, bekam bereits zu Lebzeiten Anerkennung für seine Werke und gilt heute als Wegbereiter des Expressionismus. Mit »Munch« liegt nun seine grafische Biographie vor – ein einzigartiges Projekt, in dem der Comic-Künstler Steffen Kverneland die Geschichte ausschließlich mit Zitaten von Munch und seinen Zeitgenossen erzählt.

Weitere Bücher aus der Besprechung:

merzLars Fiske: Herr Merz, ebenfalls Avant Verlag, 112 Seiten für 29.95 EUR.

Kurt Schwitters (1887-1948), der als Maler, Dichter und Werbegrafiker in beinahe allen Kunstformen aktiv war, ist ein Pioniere der Moderne. Mit dem Lautgedicht „Ursonate“ schockierte er Bourgeoisie und Dadaisten gleichermaßen, mit seinem Gesamtkunstwerk „Merzbau“ war er seiner Zeit weit voraus. Unter dem Kennwort „Merz“ entwickelte Schwitters ein dadaistisches „Gesamtweltbild“.
Lars Fiske legt den Schwerpunkt seiner Erzählung auf die Jahre des Künstlers im norwegischen Exil und nutzt die radikale Skulptur des „Merzbau“ als Grundlage für die Erzählstruktur seiner Comic-Biographie.

pablo1Julie Birmant: Max Jacob, Band 1 einer 4teiligen portraitserie über Picassos Leben, erschienen bei Reprodukt, 88 Seiten, 20 EUR.

Erster Band von insgesamt vier Bänden; im Herbst 2013 erscheint PABLO 2 – APOLLINAIRE

Im Jahr 1900, bei seiner Ankunft in Paris, kennt man Picasso einfach nur als Pablo. Die vierbändige Biografie von Julie Birmant und Clement Oubrerie erzählt von dieser Anfangszeit, als der junge Katalane seinen Weg gerade erst findet.

chagallJoan Sfarr: Chagall in Russland, ebenfalls bei Avant erschienen, 128 Seiten, 19.95 EUR.

Wer nach Pascin eine weitere  Künstlerbiografie Sfars erwartet, wird Augen machen. Blaue Augen, wie die von Marc Chagall, dem jüdischen Jüngling in Sfars bunt wuchernder Erzählung. Sfars Chagall ist nicht der Expressionist, den man aus dem Kunstunterricht kennt, sondern ein blonder, verträumter russischer Maler, dem nichts ferner läge, als in die französische Kunst-Diaspora zu emigrieren. Er möchte in seinem russischen Dorf bleiben und das

Evens, Brecht  :  Die AmateureBrecht Evens: Die Amateure, 224 Seiten. Reprodukt

Der Künstler Pieterjan ist zu einer Biennale auf dem Land eingeladen. Als er sich dort inmitten einer Gruppe illustrer Hobbykünstler wiederfindet beschließt er, das Kommando zu übernehmen. Denn Pieterjan hat eine Vision: Zur medienwirksamen Eröffnungsfeier soll ein riesiger Gartenzwerg als Symbol flämischer Identität errichtet werden. Das Projekt nimmt schließlich babylonische Ausmaße an, und auch die unterschiedlichen Ambitionen und Bedürfnisse der Künstler prallen aufeinander.

Der ganze Artikel aus der Presse hier:
http://diepresse.com/home/kultur/literatur/1437853/Das-Jahr-der-ComicKunst_Gut-gemerzt?from=gl.home_kultur

Graphic Novel-Verlage aus Deutschland

Die deutschsprachige Comic-Verlags-Landschaft ist erfreulich breit ausgelegt. Neben etablierten Comic-Fach-Verlagen erscheinen mehr und mehr Graphic Novels in den klassischen Buchverlagen, manchmal als Titel innerhalb des literarischen Programms, zunehmend aber auch als eigene Reihen oder Imprints.

Neben Carlsen und Ehapa, die bereits seit den 60er Jahren Deutschland mit Asterix, Micky Maus, Tim & Struppi und Lucky Luke versorgen, ist der dritte dicke Fisch auf dem Markt Panini, seitdem sie vor gut 10 Jahren den Dino Verlag kauften. Obwohl alle drei einen Großteil ihres Geschäfts mit Serien machen – in den letzten Jahren natürlich auch mit Mangas – , erscheinen bei ihnen aber auch relevante Einzelwerke. Egmont Ehapa hat zur besseren Präsentation jetzt das Label Egmont Graphic Novel gegründet.

Bei Martin, George R. R. ;  Patterson, Tommy ;  Abraham, Daniel  :  Game of Thrones - Das Lied von Eis und FeuerCarlsen erscheinen viele der großen französischen Autoren, aber auch Reinhard Kleist und Jiro Taniguchi, bei Panini kommen unter anderem die Watchmen-Titel von Alan Moore und George R. R. Martins Game of Thrones.

Seit den 80er Jahren wurden dann einige bis heute sehr relevante Comic Independent Verlage gegründet, die bis heute mit starken Autoren und Titeln aufwarten.

 

 

Der älteste Satrapi, Marjane : Persepolis Gesamtausgabeder Independents ist wohl die Edition Moderne aus Zürich, die seit den frühen 80er Jahren Comics und Graphic Novels verlegen, unter anderem José Antonio Muñoz, Jacques Tardi und – ein Riesenerfolg – Persepolis von von Marjane Satrapi.

Herausragend der Reprodukt Verlag aus Berlin, der im Jahr 20 – 25 Titel herausgibt – dort wurden viele deutschsprachige Künslter entdeckt, aber auch internationale Top-Titel wie die Blast-Serie von Manu Larcenet oder Chris Wares Jimmy Corrigan.

 

Kverneland, Steffen  :  Munch

Ebenfalls aus Berlin kommen die KollegInnen vom Avant-Verlag, die unter anderem hochkarätige Künstlerbiographien publizieren – zuletzt eine Schwitters- und eine Munch-Biographie.

2001 wurde Cross Cult gegründet – wo ebenfalls u.a. Titel von Alan Moore sowie von Frank Miller erscheinen.

2009 wurde in der Schweiz Walde + Graf gegründet. Das Label brachte schöne Titel, u.a. Die Monkey Wrench Gang mit Illustrationen von Robert Crumb, und wird nun als Imprint im Programm des jungen Berliner Verlags Metrolit fortgeführt.

Knesebeck in München verlegt insbesondere Graphic-Novel-Biographien und Literatur-Adaptionen. Herauszuheben ist das große Proust-Projekt von Stéphane Heuet.

Viele Titel der genannten Verlage sind in den letzten zwei Jahren in 3 großen Staffeln des Buchverlags der Süddeutschen Zeitung erschienen.

Süddeutsche Zeitung Bibliothek Graphic Novels Krimi 8 Bände im Paket

Wir möchten einige der Macher in den Labels in den nächsten Wochen über ihre Unternehmen, ihre Pläne und ihren Blick auf den Graphic Novel-Markt interviewen.

Bastien Vivès / Florent Ruppert / Jerome Mulot: Die große Odaliske

Vivès, Bastien ;  Ruppert, Florent ;  Mulot, Jerome  :  Die große OdaliskeEine der elegantesten Neuerscheinungen des Jahres:  Das Team der drei Zeichner und Autoren erträumt sich ein Kunsträuberinnen-Trio.

Die Beutezüge der Einbrecherinnen Alex und Carole könnten spektakulärer kaum sein, haben die beiden es doch nur auf die besten Museen und die hier ausgestellten Meisterwerke der Kunstgeschichte abgesehen. Wobei das clevere Duo selbst vor dem Louvre nicht haltmacht. Doch um Ingres ‘Die Große Odaliske’ am Sicherheitssystem vorbeizuschleusen, brauchen sie Verstärkung. Dass die Motorrad-Akrobatin Sam das Team komplettiert, verspricht einen kühnen Plan…

Der 128-Seiten-starke ist durchgehend vierfarbig – erschienen ist er bei Reprodukt.

Lukas Jüliger: Vakuum

Dieser Titel war das Lieblingskind des Feuilletons im Frühjahr:

Jüliger, Lukas  :  VakuumZwei Jahre Arbeit stecken in diesem Coming-of-Age-Roman:

Es sind die ersten Sonnenstrahlen des Sommers. Ein Junge langweilt sich. Erst als ein Mädchen auf ihn zukommt, scheint das Leben mit einem Mal interessant. Sie verbringen Zeit miteinander, die Welt wird verwirrend. Plötzlich erschüttert eine Tragödie die Stadt, ein junger Mensch stirbt. Als die beiden sich auf seine Spuren begeben, ahnen sie bald, dass es nicht nur ihre Schulzeit ist, die gerade zu Ende geht.

In seiner mitreißenden Erzählung um eine Gruppe von Teenagern geht Lukas Jüliger der Verunsicherung und diffusen Angst nach, die jenes Alter prägen. Dabei bettet er das vermeintlich alltägliche Geschehen in eine surreale, teils bedrückende Welt voller Geheimnisse ein.

Lukas Jüliger

Lukas Jüliger, geboren 1988, studiert Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. “Vakuum” ist sein Buchdebüt. Lukas Jüliger, der auch als Kurzfilmmacher aktiv ist, hat allerdings zuvor bereits mit einigen kürzeren Comics (unter anderem für den WWF) auf sich aufmerksam gemacht.