Die Siebziger – Das Kultjahrzehnt ganz anders

Schlaghosen, Plastikmöbel und Discokugeln. So kennt man die Siebziger heute. Dass das Kultjahrzehnt mehr ist, als Hippies und Afrolocken, zeigen drei Graphic Novel–Neuerscheinungen aus diesem Frühjahr:

WizzywigBei Wizzywig befinden wir uns in den USA der 1970er Jahre. Computer sind nur etwas für Freaks und Fachleute. Doch Kevin Phenicle hat begriffen, welches Potential in der neuen Technologie steckt. Der hochbegabte Junge bringt sich selber Programmieren bei und findet heraus, wie man Datenbanken und Telefonsysteme manipulieren kann. Schon bald wird das F.B.I. auf ihn aufmerksam, und eine gnadenlose Hetzjagd auf den angeblichen Super-Hacker beginnt.Kevin wird im Fernsehen gebrandmarkt und zu einem gefährlichen Kriminellen abgestempelt,der die nationale Sicherheit bedroht.

Ed Piskor vermischt in seiner fiktiven Biographie Wizzywig die Lebensläufe mehrerer Hacker, die es tatsächlich gegeben hat. Ein cleverer Comiccocktail über die Frühphase der Personalcomputer und des Hackertums, gleichermaßen spannend, witzig und tragisch.

Wizzywig wird Anfang Mai bei Egmont Graphic Novel erscheinen. Der Preis liegt bei 19.99 EUR für 288 Seiten.

Hip Hop Family TreeDie Anfänge des Hip Hop sind das Thema Hip Hop Family Tree, das ebenfalls von Ed Piskor gezeichnet wurde. DJ Kool Herc, Grandmaster Flash und die Furious Five, oder Afrika Bambaataa und RUN-D.M.C waren die Taktgeber beim beispiellosen Siegeszug eines Musik- und Lebensstils, der im New York der späten 1970er Jahre in den Parks, Aufnahmestudios, Radiostationen und Clubs der South Bronx seinen Anfang nahm.

Eine spannend und ungemein kenntnisreich erzählte Kulturgeschichte aus der Frühzeit des Hip Hop, die im Mai bei Metrolit erscheinen und 22.99 EUR kosten wird.

 

AyaEnde der 1970er-Jahre: In der ivorischen Metropole Abidjan leben Aya und ihre zwei Freundinnen Adjoua und Bintou. Aya ist 19 Jahre alt, das Alter, in dem alles erreichbar scheint – vielleicht sogar ein Medizinstudium gegen den Willen des Vaters, der seine Tochter lieber heute als morgen verheiratet sähe. Während Aya von einer Zukunft als Ärztin träumt, schlagen sich Adjoua und Bintou die Nächte in den örtlichen Tanzbars um die Ohren und rauben ihrer Freundin mit ihren chaotischen Liebschaften den letzten Nerv…

Ob nun die Wahlen zur »Miss Stadtteil« vor der Tür stehen oder Ayas quirlige kleine Geschwister – von deren Existenz sie bisher nicht das Geringste geahnt hatte – in Marguerite Abouets und Clément Oubreries schwungvollem “Alltags-Dramolett ist alles möglich und nichts so, wie es scheint” (Süddeutsche Zeitung). Hinreißend komisch und voller Lebensfreude zeigt Aya ein Afrika fernab westlicher Klischees und lässt trotz der sich überschlagenden Ereignisse auch Raum für nachdenkliche Zwischentöne.

Aya aus dem Hause Reprodukt hat 360 farbige Seiten und kostet 39 EUR.

»Das Geziemende im Schrecklichen«, die Süddeutsche Zeitung über Derf Backderf: Mein Freund Dahmer

Burkhard Müller zeigt sich sehr angetan von Derf Backderfs »Mein Freund Dahmer«. Die Graphic Novel habe etwas ganz Besonderes geschafft: »die Verschränkung eines Kunstwerks in ein Werk der Sühnung«. Die ganze Rezension gibt es hier.

Jeffrey Dahmer (»The Milwaukee Monster«) war ein US-amerikanischer Serienmörder, der zwischen 1978 und 1991 siebzehn Männer tötete. Erzählt wird seine Geschichte bis zum ersten Mord aus Sicht von Derf Backderf, der mit Dahmer zur Highschool ging.

 

 

Mein Freund Dahmer

Aus dem Band »Mein Freund Dahmer«

 Derf Backderfs Mein Freund Dahmer ist erschienen bei Walde+Graf bei Metrolit, umfasst 224 Seiten und kostet 22.99 EUR.

»Ein Meisterwerk!« Matthias Heine, Die WELT, über James Vance / Dann E. Burr: Auf dem Drahtseil

James Vance / Dann E. Burr

»Ladies… and Gentlemen«: Aus dem Band »Auf dem Drahtseil« von James Vance / Dann E. Burr

vance_burr_Auf_dem_drahtseilBeste Presse für James Vance / Dann E. Burr: Auf dem Drahtseil.
Obwohl Matthias Heine größte Probleme mit dem Kommunismus hat, erreicht ihn offenbar die politische Botschaft der großen Graphic Novel über das Arbeiter-Amerika der 30er Jahre: »Ein Meisterwerk«, heißt es schon im Lead des Artikels der WELT.

Auf dem Drahtseil erzählt die Geschichte des jungen Fred Bloch, der als Assistent des Entfesselungskünstlers Gordon Corey arbeitet. Corey ist die Hauptattraktion eines großen Wanderzirkus, der durch die USA tourt. Aber der Held hat viele dunkle Seiten. Alkoholmissbrauch, Selbstzweifel und die Geister der Vergangenheit holen ihn ein. Bloch steht ihm bei so gut es geht, aber auch er trägt ein Geheimnis mit sich, das sein Leben zerstören kann. Er sympathisiert mit den Kommunisten und gerät in kriminelle Kreise. Auf dem Drahtseil ist ein episch erzähltes Drama, das in kunstvoll gezeichneten Schwarzweiß-Bildern und sehr virtuos die gesamte Bandbreite narrativen Erzählens auslotet. Für ihr letztes Buch Kings of Disguise erhielten James Vance und Dan E. Burr den renommierten Eisner-Award. Es wurde vom Guardian zu einem der 10 wichtigsten Comic-Publikationen aller Zeiten gewählt.

James Vance / Dann E. Burr: Auf dem Drahtseil hat 250 Seiten, kostet 24.99 EUR und ist erschienen bei Metrolit.

 

 

»Wir probieren Bücher zu etablieren, die den Genrebegriff erweitern.« 9 Fragen an Peter Graf, Metrolit

Peter GrafIn unserer Reihe mit Verleger-Gesprächen sprechen wir heute mit Peter Graf, Metrolit.

Peter Graf erwische ich telefonisch in Zürich. Seitdem er seinen Verlag Walde + Graf als Imprint in die Berliner Verlagsneugründung Metrolit miteingebracht hat, pendelt er zwischen diesen beiden Hochburgen des Graphic Novel. So kosmopolit wie die beiden Städte ist auch das Graphic Novel-Programm, das er für Metrolit verantwortet.

1.) Metrolit gibt es seit dem Frühjahr. Wie war der Start?

MetrolitBei einer vergleichsweise großen Neugründung wie der unsrigen – wir sind mit 18 Titeln gestartet – sind die damit verbundenen Ziele nicht innerhalb weniger Monate zu erreichen. Und obwohl wir noch nicht in Gänze absehen können, welche unserer Entscheidungen richtig sind, welche korrigiert werden müssen, lässt sich sagen, dass unser Start sehr gut gewesen ist.
Die Resonanz auf unsere Bücher ist erfreulich, und wir haben es innerhalb kurzer Zeit geschafft, den Verlagsnamen und das Programm so zu kommunizieren, dass es als relevant und erfrischend anders wahrgenommen wird. Trotzdem wissen wir, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben, um unseren Verlag zu konsolidieren und langfristig zu einer festen Größe im Buchhandel zu machen.
Aber schon jetzt, mit dem zweiten Programm, scheinen sich einzelne Titel hervorragend zu entwickeln und auch kommerziell erfolgreich zu sein. Der Roman Blutsbrüder – Ein Berliner Cliquenroman von Ernst Haffner beispielsweise, eine Wiederentdeckung, die im Vorfeld für viel Furore sorgt, und schon vor der Auslieferung in die zweite Auflage geht.

2.) Wie habt Ihr das Programm von Walde + Graf integriert?

David Rees: Die Kunst einen Bleistift zu spitzenWALDE + GRAF ist faktisch ein Label von Metrolit. Ich programmiere dort jährlich ca. 12 Titel: Graphic Novels, illustrierte Romane und Bücher wie Die Kunst einen Bleistift zu spitzen von David Rees, ein originelles und sehr unkonventionelles Sachbuch, das unseren Anspruch unterstreicht, besondere Bücher zu machen, die inhaltlich und formal eigenständig sind.
Das gilt aber für das gesamte Metrolit-Programm und womöglich ist es für die Buchhändler, für die Leser und die Rezeption gar nicht so relevant, ob ein Buch nun von WALDE + GRAF oder von Metrolit ist. Denn programmatisch sind die Grenzen oft fließend. Meine Kollegen und ich haben sehr ähnliche Vorstellungen und gemeinsam arbeiten wir an dem Ziel, Metrolit zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Dabei hilft der gute Ruf, den WALDE + GRAF sich in den zurückliegenden Jahren erarbeiten konnte.

3.) Wie viele Mitarbeiter seid Ihr, wer macht das Programm?

Lars Birken-Bertsch ist für das Marketing verantwortlich, Marie Claire Lukas für die Pressearbeit, unsere Volontärin, Karin Sauerwald, betreut insbesondere den Bereich Social Media. Das Programm verantworten Bärbel Brands (internationale und deutschsprachige Literatur) und Thorsten Schulte (Sachbuch). Last but not least gehört Tom Erben zu unserem Team. Er bringt als Geschäftsführer seine Erfahrungen ein, hält Kurs und steuert uns durch das mitunter schwierige Fahrwasser einer nicht ganz einfachen Branche.

4.) Welche Kriterien habt Ihr für die Titelauswahl im Bereich Graphic Novel? Wie positioniert Ihr euch auf dem Markt, in dem es hervorragende alteingesessene Labels sowie eine zunehmende Zahl von Graphic Novel-Einzeltiteln bei den klassischen Literaturverlagen gibt?

Helmut Wietz: Der Tod von AdornoMit Reprodukt, Avant, der Edition Moderne und dem sehr viel größeren Carlsen Verlag usw. gibt es erfahrene und hervorragende Mitbewerber, die über viele Jahre ihre Programme entwickelt haben. Dasselbe zu tun wie sie, wäre wenig sinnvoll.

Wir probieren Bücher zu etablieren, die den Genrebegriff erweitern. Der Tod von Adorno oder We are Gypsies now sind Beispiele dafür. Beides sind keine klassischen Comics oder Graphic Novels. Letzteres ist ein gezeichnetes und Illustriertes Tagebuch, Helmut Wietz hat mit Der Tod von Adorno ein Buch geschaffen, das sich aus dem Zitatenschatz der Superheldencomics und der Pop Art bedient und sich ansonsten um die Lesegewohnheiten von Comic-Lesern wenig schert. Er hat vor über vierzig Jahren mit der Arbeit an dem Buch begonnen und es erst jetzt fertig gestellt. Ein unkonventionell erzähltes Stück Deutscher Geschichte, das kontrovers  besprochen worden ist. Es gab euphorische Besprechungen und Verrisse. Der Titel hat die Gemüter also bewegt.
Außerdem mag ich Geschichten, die ein Thema aufgreifen, das sich möglichst breit kommunizieren lässt. Chester Browns Ich bezahle für Sex oder Mein Freund Dahmer von Derf Backderf sind Bücher, mit denen wir in der Presse auf große Resonanz gestoßen sind. Sie wurden im Feuilleton ebenso besprochen wie in Magazinen wie „Der Spiegel“ oder im Radio. Ich bezahle für Sex war Thema bei „Menschen bei Maischberger“, und unser Comic zum 17. Juni 1953 von Kitty Kahane hat es sogar in die Hauptsendung der „Tagesschau“ geschafft.

5.) Ihr werdet Euch den hiesigen Comic-Markt angesehen haben. Sagt Ihr ein paar Worte zur Entwicklung des deutschsprachigen Comics?

Wir haben im laufenden Programm drei deutschsprachige Comics publiziert, aber wir sind weit entfernt davon, uns in diesem Segment etabliert zu haben. Uns fehlen auch die Erfahrungen, auf die die Kollegen der anderen Verlage zurückgreifen können. Sicher ist es aber so, dass es zahlreiche Künstler gibt, die sich etabliert haben, und es sind im laufe der Jahre viele neue Themen und Stile hinzugekommen: Der deutschsprachige Comic ist vielfältiger und eigenständiger geworden.  Das ist spannend und schafft Möglichkeiten. Allerdings steht das mediale Interesse, das überdurchschnittlich ist, in einem gewissen Missverhältnis zu den tatsächlichen Verkäufen. Der Buchreport hat beispielsweise im Juli die aktuelle Bestsellerliste für Graphic Novels veröffentlicht. Unsere Titel lagen auf Platz 1, 5 und 8. Wäre das die Spiegel-Bestsellerliste, wären wir saniert. So ist es mehr ein Zeichen dafür, dass die eigene Arbeit sowie die Auswahl der Titel, richtig ist. Aber hinsichtlich der Verkaufszahlen ist da noch Luft nach oben.

6.) Wie wird der deutschsprachige Comic-Markt im Ausland eingeschätzt? Welche Erfahrungen habt Ihr bei Euren Lizenzgesprächen gemacht?

Diese Frage kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten. Es gibt im Ausland Interesse an einer unserer Graphic Novels. Wir freuen uns, wenn wir eine Lizenz vergeben können, aber empirisch Buchstabiert sich anders, uns fehlen da die Erfahrungen.

7.) Was werden Eure Spitzentitel im Herbst? Kann man schon was sehen?

Bell, Gabrielle  :  Der VoyeurDer Voyeur von Gabrielle Bell, der Titel erscheint im September, ist ein Abbild der Generation 30+. Schonungslos und humorvoll fügt Gabrielle Bell aus unterschiedlichsten Episoden ein Bild unserer Zeit zusammen, indem sie aus ihrem Leben und dem ihrer Freunde erzählt. Als Leser gibt man sich dem Kitzel, als Voyeur am Schicksal anderer teilzunehmen, nur allzu gern hin. Aber Vorsicht: Die Kunst Bells besteht darin, dass jeder Blick durchs Schlüsselloch eher dem in den eigenen Spiegel gleicht. Und so fühlen sich alle ertappt und gleichzeitig erleichtert. Chris Ware und Art Spiegelman haben das Buch sehr positiv aufgenommen.
Ware sagt: »Der Voyeur ist das Werk einer reifen Autorin, Bell die wohl aufrichtigste Erzählerin ihrer Generation. Ich liebe dieses Buch.« Spiegelman hält es derzeit für eines der besten autobiographischen Comics.

Vance, James ;  Burr, Dan E. :  Auf dem DrahtseilSoeben ist Auf dem Drahtseil von James Vance und Dan E. Burr erschienen.
Auf dem Drahtseil erzählt die Geschichte des jungen Fred Bloch, der als Assistent des Entfesselungskünstlers Gordon Corey arbeitet. Corey ist die Hauptattraktion eines großen Wanderzirkus, der durch die USA tourt. Aber der Held hat viele dunkle Seiten. Alkoholmissbrauch, Selbstzweifel und die Geister der Vergangenheit holen ihn ein. Bloch steht ihm bei so gut es geht, aber auch er trägt ein Geheimnis mit sich, das sein Leben zerstören kann. Er sympathisiert mit den Kommunisten und gerät in kriminelle Kreise. Auf dem Drahtseil ist ein episch erzähltes Drama, das in kunstvoll gezeichneten Schwarzweiß-Bildern und sehr virtuos die gesamte Bandbreite narrativen Erzählens auslotet. Für ihr letztes Buch Kings of Disguise erhielten James Vance und Dan E. Burr den renommierten »Eisner-Award«. Es wurde vom Guardian zu einem der 10 wichtigsten Comic-Publikationen aller Zeiten gewählt. Und auch Auf dem Drahtseil wird von der US-amerikanischen Presse gefeiert. „Das Werk erschafft eine Geschichte epischen Ausmaßes, die es sogar mit so manchem Literatur-Klassiker aufnehmen kann“, schreibt Zuckerkick.

8.) Kannst Du was über Eure Pläne sagen?

Wir werden probieren, die hier beschriebenen Programmbereiche auszubauen und den Bereich Graphic Novel zu einem festen Bestandteil unseres Programms zu machen. Wir planen wie gehabt mit ca. vier bis sechs Titel jährlich. Kontinuität und Originalität sind uns da wichtiger als das Programm auszuweiten.

9.) Welche Wünsche an einen Online-Shop wie Novel Graph habt Ihr?

Für uns ist es wichtig, dass der Handel unsere Bücher weiterempfiehlt. Ich sehe bei einem Shop, so wie ihr ihn denkt, die Chance, dass Leser und Handel wieder direkter miteinander in Kontakt treten. Ihr baut eine Plattform auf, die ein von euch favorisiertes Sortiment vorstellt, ihr sprecht Empfehlungen aus, bietet unseren Büchern, sofern sie euch gefallen, eine Öffentlichkeit, die über die reine Präsenz oder Verfügbarkeit hinausgeht. Das ist eine Form der unabhängigen Vermittlung, die sehr wesentlich ist. Wir können immer behaupten, dass unsere Bücher gut und wichtig sind, glaubwürdiger ist die Meinung und das Engagement Dritter. Sollte es also irgendwann so sein, dass dem comic-interessierten Publikum eure Seite als Referenz dient, wenn es darum geht, sich über Comics zu informieren und die Bücher über euch zu beziehen, wäre das eine Entwicklung, die allen gut tut. Die Möglichkeiten, Titel Online zu inszenieren sind fantastisch, und diese Form kommt dem Genre auch sehr entgegen, denn komplexe Bildinhalte lassen sich auf einer Vorschauseite einfach nicht darstellen. Insofern wünsche ich mir Präsentationsformen, die neue Wege gehen und innovativ die reine Shopfunktion mit der Vermittlung von Inhalten kombiniert.

Mehr Informationen über den Verlag und viel Hintergrund zum schönen Programm gibt es auf der Webseite: www.metrolit.de.

Weitere Interviews in der Reihe führten bislang wir mit Johann Ulrich, avant-Verlag und David Basler, Edition Moderne.

Derf Backderf: Mein Freund Dahmer. Biographien in der taz

Backderf, Derf ;  Pannor, Stefan  :  Mein Freund DahmerDie taz schreibt über 2 biographische Graphic Novels von Derf Baackderf und Birgit Weyhe und stellt dazu Metrolit und Avant vor:

»Metrolits bisheriges Graphic-Novel-Programm zeichnet sich durch Anspruch und eine gewisse Schwere aus, soziale und politische Themen dominieren. Es geht um Aussteiger, 68er, den Aufstand vom 17. Juni 1953. Erzählung und Inhalt gehen hier häufig vor Ästhetik, der Text ist wichtiger als die Grafik.

Mit dieser Ausrichtung ähnelt Metrolit dem kleinen Avant-Verlag, der schon seit über elf Jahren den schweren Weg geht, die immer noch kleine Leserschaft von ernsten Graphic Novels zu bedienen. Er setzt dabei allerdings stärker ästhetische Akzente.«

Derf Backderf: Mein Freund Dahmer, erschienen bei Metrolit, gibt es für 22.99 EUR.

Jeffrey Dahmer (The Milwaukee Monster) war ein US-amerikanischer Serienmörder, der zwischen 1978 und 1991 siebzehn Männer tötete. Erzählt wird seine Geschichte bis zum ersten Mord aus Sicht von Derf Backderf, der mit Dahmer zur Highschool ging.

Weyhe, Birgit ;  Ulrich, Johann  :  Im Himmel ist JahrmarktAls ihr Vater stirbt, stellt sich Birgit Weyhe plötzlich zum ersten Mal die Frage nach ihrer Familiengeschichte. Ein paar Anekdoten und viel Schweigen. Als ihre Tochter als Hausaufgabe einen Stammbaum zeichnen soll, zeigt sich das ganze Ausmaß ihres Unwissens – selbst die Großeltern sind nur noch blasse Schemen.
Die Autorin begibt sich auf Spurensuche, doch die Recherche bei den wenigen noch lebenden Verwandten wirft neue Fragen auf.

Birgit Weyhes großes Werk Im Himmel ist Jahrmarkt umfaßt 280 Seiten, ist erschienen bei Avant und kostet 22 EUR.

Graphic Novel-Verlage aus Deutschland

Die deutschsprachige Comic-Verlags-Landschaft ist erfreulich breit ausgelegt. Neben etablierten Comic-Fach-Verlagen erscheinen mehr und mehr Graphic Novels in den klassischen Buchverlagen, manchmal als Titel innerhalb des literarischen Programms, zunehmend aber auch als eigene Reihen oder Imprints.

Neben Carlsen und Ehapa, die bereits seit den 60er Jahren Deutschland mit Asterix, Micky Maus, Tim & Struppi und Lucky Luke versorgen, ist der dritte dicke Fisch auf dem Markt Panini, seitdem sie vor gut 10 Jahren den Dino Verlag kauften. Obwohl alle drei einen Großteil ihres Geschäfts mit Serien machen – in den letzten Jahren natürlich auch mit Mangas – , erscheinen bei ihnen aber auch relevante Einzelwerke. Egmont Ehapa hat zur besseren Präsentation jetzt das Label Egmont Graphic Novel gegründet.

Bei Martin, George R. R. ;  Patterson, Tommy ;  Abraham, Daniel  :  Game of Thrones - Das Lied von Eis und FeuerCarlsen erscheinen viele der großen französischen Autoren, aber auch Reinhard Kleist und Jiro Taniguchi, bei Panini kommen unter anderem die Watchmen-Titel von Alan Moore und George R. R. Martins Game of Thrones.

Seit den 80er Jahren wurden dann einige bis heute sehr relevante Comic Independent Verlage gegründet, die bis heute mit starken Autoren und Titeln aufwarten.

 

 

Der älteste Satrapi, Marjane : Persepolis Gesamtausgabeder Independents ist wohl die Edition Moderne aus Zürich, die seit den frühen 80er Jahren Comics und Graphic Novels verlegen, unter anderem José Antonio Muñoz, Jacques Tardi und – ein Riesenerfolg – Persepolis von von Marjane Satrapi.

Herausragend der Reprodukt Verlag aus Berlin, der im Jahr 20 – 25 Titel herausgibt – dort wurden viele deutschsprachige Künslter entdeckt, aber auch internationale Top-Titel wie die Blast-Serie von Manu Larcenet oder Chris Wares Jimmy Corrigan.

 

Kverneland, Steffen  :  Munch

Ebenfalls aus Berlin kommen die KollegInnen vom Avant-Verlag, die unter anderem hochkarätige Künstlerbiographien publizieren – zuletzt eine Schwitters- und eine Munch-Biographie.

2001 wurde Cross Cult gegründet – wo ebenfalls u.a. Titel von Alan Moore sowie von Frank Miller erscheinen.

2009 wurde in der Schweiz Walde + Graf gegründet. Das Label brachte schöne Titel, u.a. Die Monkey Wrench Gang mit Illustrationen von Robert Crumb, und wird nun als Imprint im Programm des jungen Berliner Verlags Metrolit fortgeführt.

Knesebeck in München verlegt insbesondere Graphic-Novel-Biographien und Literatur-Adaptionen. Herauszuheben ist das große Proust-Projekt von Stéphane Heuet.

Viele Titel der genannten Verlage sind in den letzten zwei Jahren in 3 großen Staffeln des Buchverlags der Süddeutschen Zeitung erschienen.

Süddeutsche Zeitung Bibliothek Graphic Novels Krimi 8 Bände im Paket

Wir möchten einige der Macher in den Labels in den nächsten Wochen über ihre Unternehmen, ihre Pläne und ihren Blick auf den Graphic Novel-Markt interviewen.

James Vance / Dan E. Burr: Auf dem Drahtseil

Vance, James ;  Burr, Dan E.  :  Auf dem Drahtseil

Die Eisner-Award-Preisträger James Vance und Dan E. Burr liefern eine herausragende Arbeit über die USA während der Zeit der Großen Depression:

Das Elend herrscht – aber trotzdem: the show must go on. Gordon Corey ist die Attraktion eines großen Wanderzirkus, der durch die ärmlichen Weiten des amerikanischen Hinterlandes tourt. Corey ist Entfesslungskünstler, verschafft dem Publikum eine kleine, prickelnde Auszeit vom täglichen Überlebenskampf. »Auf dem Drahtseil« erzählt die Geschichte des jungen Fred Bloch, der als Assistent von Corey arbeitet. Bloch verehrt den Artisten, weiß aber auch um dessen dunkle Seiten: Alkoholmissbrauch, Selbstzweifel, Kriminalität.

Parallelen zur Gegenwart sind sicherlich kein Zufall.

Auf dem Drahtseil

 

Der von Egbert Hörmann übersetzte Band erzählt die Geschichte auf 250 s/w-Seiten – schon jetzt ein weiterer Klassiker der amerikanischen Literaturgeschichte.

James Vance

James Vance wurde 1953 geboren. Er arbeitet als Comicbuch-Autor, Schriftsteller und Drehbuchautor. Viele seiner Arbeiten wurden ausgezeichnet.

Dan E. Burr

Dan E. Burr wurde 1951 geboren. Er arbeitete an verschiedenen Comicbuchprojekten und eigenen Publikationen, darunter die legendären Greatful Dead Comix und Serien für Graphic Classics.

 

Mehr zum Hintergrund der Novel gibt es im Online-Magazin von Metrolit.

 

Danielle De Picciotto: We Are Gypsies Now

We Are Gypsies Now

 

Wie ist das, wenn man seine Wohnung auflöst, auf unbestimmte Zeit auf Reisen geht, und dabei den großen Sinnfragen des Lebens nicht aus dem Weg geht? Danielle de Picciotto hat es mit weiblich verträumten Blick und einer großen Portion Lebensklugheit aufgezeichnet. Eine wundervoll illustrierte Graphic Diary über den Sinn des Lebens und die Verwirklichung eines Lebenstraums..

Das Buch umfaßt 208 Seiten und ist erschienen bei Metrolit.

Ein schönes Video-Interview mit Danielle De Picciotto gibt es hier:

http://youtu.be/zGy-hZOhlC4

 

Helmut Wietz: Der Tod von Adorno

Der Tod von Adorno

 

Die im Stil der Pop-Art gezeichnete Graphic Novel wurde 1968 begonnen und erst jetzt wiederentdeckt und fertig gestellt. Erzählt wir von der 68er-Revolte, der Sexuellen Befreiung und einer Nazi-Parallelgesellschaft, die die Berliner Unterwelt beherrscht.

»Das Heft ist purer Sex, Adorno und Rock´n´Roll.«
Deutschlandradio Kultur

Dagegen läßt sich ja nicht viel einwenden – wir empfehlen es also gerne.

Der Tod von Adorno ist erschienen bei Metrolit und kostet22  EUR.