»Das Interesse an Comics ist viel größer als noch vor etwa 10 Jahren.« 15 Fragen an Reprodukt

Bei Reprodukt haben wir gleich mit mehreren Kolleginnen telefonischen und Email-Kontakt. Man hört und liest aus den Gesprächen und Mails heraus, dass bei ihnen zur Zeit ganz gut die Post abgeht. Jutta Harms findet netterweise trotz einer einwöchigen Pressereise noch Zeit, uns die Antworten auf unsere Interviewfragen zu schicken – zusammen mit einem grandiosen Verlagsportrait von Mawil:

mawil.reprodukt in farbe

© Mawil, 2013

1.)    Den Verlag gibt es seit?

1991

2.) Wie viele Mitarbeiter seid Ihr, wer macht das Programm?

Wir sind sieben fest Angestellte, ein Verleger und viele freie Mitarbeiter. Das Programm besprechen wir gemeinsam, wobei alle Mitarbeiter Titel vorschlagen und in den Programmdiskussionen verteidigen können. Der Verleger hat das Recht auf ein Veto, aber die Entscheidung für die Programmplätze muss von allen mitgetragen werden.

9783943143089-389x5003.) Welche Kriterien habt Ihr für die Titelauswahl?

Authentische Geschichten, Zeichnungen und Geschichte müssen von gleichermaßen überzeugender Qualität sein. Wir arbeiten mit unseren Autoren langfristig zusammen, das drückt sich auch in der Programmgestaltung aus.

4.) Wie ist Euer Verhältnis Eigenproduktion / Lizenzübernahme

Eigenproduktionen machen etwa zehn Prozent des Programm aus.

5.) Exportiert Ihr Lizenzen, verkauft Ihr Eure Originalausgaben auch ins Ausland?

Seit einigen Jahren verkaufen wir zunehmend Lizenzen, sogar nach Frankreich, was lange Zeit nicht möglich war, aber auch nach Polen, England, Spanien und Italien, in die USA oder sogar nach Japan.
In Österreich und in der Schweiz verkaufen wir auch unsere Ausgaben über Vertriebe vor Ort.

6.) Sagst Du ein paar Worte zur Entwicklung des deutschsprachigen Comics?

Feuchtenberger, Anke : Die Hure HDie Zeichner, die den Aufbruch des Comic in den 1990ern mitgestaltet haben, wie Anke Feuchtenberger, Martin tom Dieck, Atak, Hendrik Dorgathen, sind mittlerweile Professoren und unterrichten die junge Zeichnergeneration. Das Interesse an Comics ist viel größer als noch vor etwa 10 Jahren, was auch daran liegen kann, dass das Medium mittlerweile eine andere Wertschätzung erfährt. Damit haben Zeichner eine wesentlich bessere Perspektive. Das Resultat ist, dass von den Hochschulen viele gut ausgebildete und motivierte Zeichner und Zeichnerinnen kommen.

7.) Wie wird der deutschsprachige Comic-Markt im Ausland eingeschätzt?

Soweit wir das beurteilen können, wird die Vielfalt der deutschen Comicszene sehr positiv bewertet. Der bereits erwähnte Lizenzhandel belegt das.

8.) Seit wann sprecht Ihr von Graphic Novels?

Der Oberbegriff Comic hat für uns nach wie vor Gültigkeit. Auch Graphic Novels sind Comics.
Als nach dem großen Erfolg von Persepolis sich zunehmend auch ein neues Lesepublikum und der Buchhandel für diese Form von Comic zu interessieren begann, wurde deutlich, dass es eine differenziertere Begrifflichkeit geben muss. Als Orientierungshilfe haben deutsche Verlage den von Will Eisner schon 1988 geprägten Begriff der Graphic Novel eingesetzt, um die Unterscheidung zwischen in einem Band abgeschlossenen Geschichten und Comicserien zu ermöglichen.

9.) Ist die Entwicklung des Comic-/Graphic-Novel-Marktes gut für Euch?
Es gibt mehr Aufmerksamkeit für das Genre, aber auch mehr Wettbewerb…

Wir sehen vor allem die Vorteile. Der Buchmarkt hat sich für Graphic Novels geöffnet, die seit einigen Jahren stetig wachsende Umsätze erfahren. Und wir haben gegenüber den neuen Akteuren den Vorteil, dass wir über Knowhow und langjährig gewachsene Netzwerke verfügen. Viele Autoren schätzen unser kontinuierliches Engagement und ziehen es deshalb  vor, ihre Bücher bei uns herauszubringen.

10.) Wie hat sich die Zusammenarbeit mit den Partnerverlagen rund um die Domain graphic-novel.info entwickelt?

Cover_GN_FlyersmallEin gemeinsames Thema auch gemeinsam zu präsentieren hat sich als richtig herausgestellt.
Leser, Buchhandel, Bibliotheken und nicht zuletzt die Presse schätzen die gebündelten Informationen sehr.
Die redaktionelle Arbeit dafür liegt bei Reprodukt. Wir geben auch den ebenfalls verlagsübergreifenden Flyer Was sind Graphic Novels? heraus, der im Buchhandel kostenlos verteilt wird. Derzeit ist bereits die sechste Auflage des Flyers im Handel.

11.) Was wünscht Ihr Euch von einer Neugründung wie uns? Was fehlt Euch?

Wir wünschen uns, dass ihr euren eigenen Zugang zu Graphic Novels und Comics findet, unabhängig von vermeintlichen Trends und Hypes. Dass ihr damit nachhaltig ein eigenes Sortiment aufbaut, und dieses euren Kunden vermitteln könnt.
Wir freuen uns, wenn wir euch mit unserer Begeisterung für Comics und Graphic Novels anstecken können!

12.) Zurück zu Eurem Programm: Was waren Eure größten Erfolge?

178823_0Unter anderem Baby’s in Black von Arne Bellstorf, Gift von Peer Meter und Barbara Yelin, Habibi von Craig Thompson, Jimmy Corrigan von Chris Ware, „Mumins“ von Tove Jansson oder Pjöngjang und Aufzeichnungen aus Jerusalem, die Reportage-Comics von Guy Delisle.

13.) Was sind aktuelle Schwerpunkte?

Im Herbstprogramm erscheint Schönheit vom Autor Hubert und dem Zeichnerduo Kerascoët, ein Märchen für Erwachsene über Eitelkeit und Macht, In der Küche mit Alain Passard von Christophe Blain, das faszinierende Porträt eines Meisters der französischen Gemüseküche und unsere Edition von hochwertigen Sammelbänden mit Comics von Robert Crumb, der in diesem Jahr 70 geworden ist.Hubert ;  Kerascoët ;  Cosset, Sébastien  :  Schönheit

14.) Kannst Du was über Eure Pläne sagen?

Im nächsten Jahr kommen neue Comics von Zeichnerinnen und Zeichnern aus Deutschland heraus. Wir freuen uns auf den neuen Comic von Mawil, der im Juni 2014 kommen soll.
Auch das Programm mit Comics für Kinder bauen wir weiter aus, nachdem diese seit dem Start Anfang 2013 sehr gut angenommen worden sind.

15.) Für welchen Titel / Autor wünscht Ihr Euch einen größeren Erfolg?

Für alle!

 

 

Weitere Interviews in der Reihe führten wir mit David Basler, Edition Moderne sowie Johann Ulrich, avant-Verlag und Peter Graf, Metrolit.

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