Ausstellung : Kafka in KomiKs

Dass Comics immer komisch sein müssen, ist ein Vorurteil, dass schon vielfach widerlegt wurde. Graphic Novels, die sich mit dem Leben und den Werken Franz Kafkas beschäftigen, sind wohl die besten Belege dafür.

processDas Literaturhaus Stuttgart widmet ihnen unter dem Titel »Kafka in KomiKs« zur Zeit eine ganze Ausstellung. Kuratiert wird diese u.a. von David Zane Mairowitz, der schon an der Graphic Novel- Umsetzung von Der Process mitwirkte.

Das ist die Erzählung über Josef K., der eines Morgens ohne Grund verhaftet und in ein undurchschaubares Gerichtsverfahren verwickelt wird. Ein verwirrendes Ereignis löst das nächste ab, und K. versucht immer verzweifelter, seine Unschuld zu beweisen – bis ihm schließlich das fatale Urteil überbracht wird.

Die Szenen aukafkas Der Process werden in der Ausstellung durch Bilder aus der von Comiclegende Robert Crumb gezeichneten Biographie Kafka für Anfänger ergänzt, die im Mai bei Reprodukt neu aufgelegt wurde. In ihr haben David Zane Mairowitz und Robert Crumb höchst anschaulich all das zusammengetragen, was man über Franz Kafka wissen sollte: von seiner Kindheit bis zum posthumen Kafka-Kult; über die Konflikte, die der Schriftsteller mit sich selbst und anderen, allen voran mit seinem Vater auszutragen hatte.

Außerdem gibt die Ausstellung Einblicke in die  Comicadaption von »Das Schloss« von Jaromir99, die nächstes Jahr bei Knesebeck erscheinen wird.

Einen interessanten Video-Beitrag zur Ausstellung gibt es hier.

»Kafka in KomiKs« ist noch bis zum 07.Februar 2014 im Literaturhaus Stuttgart zu sehen.

Der Graphic Novel Kanon der Weltliteratur, Teil 1

The Graphic Canon. Von Gilgamesch über Shakespeare bis Gefährliche Liebschaften Bd.1

The Graphic Canon. Von Gilgamesch über Shakespeare bis Gefährliche Liebschaften Bd.1. Herausgegeben von Russ Kick. 2013. 504 Seiten.
28 x 22 cm. Goßformat. Gebunden

Das ist ja mal ein Einstieg in die Graphic Novel Szene: Galiani aus Berlin, ausgestattet mit einer guten Spürnase für ungewöhnliche, lustige und überraschende Titel, bringt nun den ersten Band des Graphic Canon, einer großformatigen, vierfarbigen, liebevollen Anthologie der Weltliteratur. Im ersten Band geht es um die alten Mythen und Epen (Platon, Bibel, Gilgamesch…) über die frühen Klassiker wie Dante und Shakespeare bis ins 18. Jahrhundert. Natürlich kommen die Stoffe aus alter Welt – Homer, Shakespeare und Dante stehen neben indianischen Sagen, Gedichten aus dem alten China und dem Popol Vuh, dem heiligen Buch der Maya.

Dieser erste von drei Bänden versammelt über 50 Werke, vom babylonischen Gilgamesch-Epos bis ins 18. Jahrhundert.

Kat Menschik: Die Nibelungen

Kat Menschik: Die Nibelungen

Jedes einzelne von einem anderen Comic-Künstler gestaltet, adaptiert und zu neuem Leben erweckt, darunter große Namen wie Will Eisner (»The Spirit«) und Robert Crumb (»Fritz the Cat«) und spannende Talente wie Molly Crabapple oder Gareth Hinds. Eine einzigartige Sammlung individueller Kunstwerke und ein überbordendes Buch voller Witz, Schönheit und Fantasie, in dem man stundenlang versinken kann.

Für die deutsche Ausgabe, die gegenüber dem amerikanischen mit aufwändiger Bindung daherkommt, hat Kat Menschik einige wunderbare Nibelungen-Tableaus beigesteuert.

The Graphic Canon, Teil 1, ist eine unerschöpfliche Fundgrube an Stoffen und an Kunstwerken und daher wirklich jedem Graphic Novel Freund unter den Weihnachtsbaum zu wünschen. Der Band hat über 500 Seiten und kostet (nur) 49.99 EUR.

»Ich muss bei dem neuen Buch sehr mutig sein.« Ulli Lust im Gespräch mit Novel Graph, Teil 3

electrocomics

Ich wechsle etwas das Thema: Du hast nicht nur eine sehr, sehr schöne Webseite, sondern Du machst auch noch Deinen Verlag electrocomics. Der ist nichtkommerziell, oder hat es einen kommerziellen Aspekt, den ich noch nicht verstanden habe?

Er ist natürlich nichtkommerziell. Ich hatte zunächst einen eigenen Printverlag – der war wahnsinnig anstrengend. Dann kam die Idee, dass man Comics am Bildschirm machen könnte. Ich fand es so einfach, es zu machen. Ich hatte ein NaFöG-Stipendium, und habe dieses Liebhaberprojekt angefangen. Ich wusste, wie man eine Webseite programmiert, und hatte Bekannte, die Comics machen.

Ursprünglich hatten wir die Illusion, dass, wenn die Leser 50 Cent zahlen, genauso viel rüberkommt, wie bei einem normalen Verlag. Es gab 2005 noch nicht das große Interesse, Comics zu verlegen. Es gab drei Verlage, und wenn die dein Buch nicht machen wollten, standest Du blöd da. Es gab keine ausreichenden Publikationsmöglichkeiten, deshalb fanden wir die Idee gut, uns etwas autonomer zu machen.

Allerdings: Es hat sich herausgestellt, dass die Leser im Internet nicht zahlen wollen.

Wie ist das mit den Crowdsourcing-Projekten in den USA?

Die funktionieren gut. Ich habe an einem feministischen Comicprojekt mitgemacht – es hieß The Big Feminist But -, und die haben ziemlich schnell ihr Goal erreicht.

Und Electrocomics machst Du weiter?

Ja, es macht mir Spaß. Ich mache gerne Bücher. Ich mache gerne Layouts und rede mit den anderen, was man besser machen könnte.

Ich muss nicht jeden Monat etwas Neues machen. Die Leser, die bei electrocomics reinschauen, wissen, dass es eine Selektion ist. Es kommt nicht jeder Comic rein. Wenn ich ein wirklich gutes Buch sehe und der Autor stellt es zur Verfügung, wird es hochgeladen. Weil ich international viele Comic-Zeichner kenne, findet sich immer etwas. Die Übersetzungen sind das größte Problem – da hätte ich gerne ein paar Subventionen.

Na ja, das wäre ja zum Beispiel ein Vorschlag für die im Manifest angesprochenen Hilfen.

Electrocomics gibt auch einen guten Grund, bei den jungen Zeichnern reinzuschauen. Das bereichert mein Leben.

Pläne

Gibt es weitere Projekte, über die schon sprichst?

Ulli Lust Heute ist der letzte Tag vom Rest Deines Lebens

»Ich zeichne schon an einem neuen Comic. Es wird eine Fortsetzung der Autobiographie Heute ist der letzte Tag vom Rest Deines Lebens.«

Na ja, ich zeichne schon an einem neuen Comic. Es wird eine Fortsetzung der Autobiographie Heute ist der letzte Tag…. Ich habe halt noch etwas erlebt. Eigentlich plane ich eine Trilogie, und das ist der zweite Teil.

Aber ich muss bei dem neuen Buch sehr mutig sein.

Ich fand, bei dem ersten Buch musstest Du auch schon sehr mutig sein…

Aber bei dem neuen Buch schaue ich wahnsinnig langweilig und piefig aus. Mit Brille und farblos und so – es ist irrsinnig peinlich, sich so zu zeigen. Es ist einfacher, sich als wildes Chick zu zeigen. Man will ja cool sein. Und dieses Mädchen war eindeutig cool, obwohl sie auf der anderen Seite ziemlich naiv war. Aber es hat Spaß gemacht, das nachzuempfinden. Damals war es unangenehm, aber im Nachhinein…

Bei dem neuen Buch versuche ich wieder Anschluss an die Gesellschaft zu finden, ein guter Mensch zu sein. Als 17jährige wollte ich das Gegenteil von der Gesellschaft sein.

Die Amerikaner finden das erste Buch auch cool, oder? Oder hast Du nur einen großen Fan bei Publishers Weekly?

Publishers Weekly, New York Times… – ich habe gute Presse, und bin gerade erst in 2 Kategorien für den Ignatz Award, einem Preis für Independent Graphic-Novels, nominiert worden…

Ich haben das Gefühl, in Amerika vielleicht noch besser aufgenommen zu werden als in Europa. Vielleicht liegt es an der Tatsache, dass ich mich von den amerikanischen Comics inspirieren lasse, und nun scheint etwas zurück. Und: Es gibt ja auch in Amerika viele junge Frauen, die ausbrechen wollen aus dem Klischee-Frauenbild.

Signierte Bücher

Ulli Lust hat für Euch Bücher signiert.
Wer schnell ist, kann sie in unserem Shop erstehen.

 

Heute_signiert 001flughunde_signiert 001

Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens

Ulli Lust: Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens
signiertes Exemplar
450 Seiten
avant Verlag
29.95 EUR

flughunde gn

Ulli Lust / Marcel Beyer: Flughunde
signiertes Exemplar
350 Seiten
Suhrkamp Verlag
24.99 EUR

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 1 des Gesprächs:
»Es muss einen Sinn haben, ein Buch zu adaptieren.«

 

 

»Film ist so gefangen in der Realitätsnachahmung. Die Zeichnung gar nicht.« Ulli Lust im Gespräch mit Novel Graph, Teil 2

Käufer- oder Anbietermarkt

Im Graphic Novel-Bereich haben die deutschsprachigen Künstler international im Moment einen deutlich stärkeren Stand als bei den geschriebenen Büchern.

Es gibt auf jeden Fall einige Künstler, die internationale Lizenzen bekommen. Deutsche Zeichner, die hier nicht gedruckt werden, werden in Frankreich gedruckt. Der Markt ist extrem aufgebrochen.

Haben wir hierzulande auch einen Käufermarkt, oder nur einen Anbietermarkt?

Ich bin gespannt. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich die Massen anziehe. Andererseits: Die Medien helfen mir.

Das was Du machst, ist dafür länger haltbar. Die Titel haben eine längere Laufzeit.

Ja, das kann sein.

Suhrkamp

Und Suhrkamp? Wie siehst Du die aktuellen Nachrichten?

suhrkamp

»Ich mag den Suhrkamp-Verlag unheimlich gerne. Die haben sich wirklich im Interesse der Autoren benommen.«

Ich betrachte die Entwicklung sehr locker. Ich habe ja sonst nur mit Kleinverlagen zu tun, deren Existenz am Leben eines einzigen Verlegers hängt: Wenn der einen Herzinfarkt bekommt, ist der Verlag tot.

Wird denn Suhrkamp ein Graphic Novel-Verlag?

Warten wir das mal ab. Sie sind auf jeden Fall gut gestartet. Sie haben es angemessen gemacht. Wir werden sehen, wie es weitergeht.

Suhrkamp ist nicht der Verlag, der Sachen anfängt und gleich wieder sein lässt.

Ich mag den Verlag unheimlich gerne. Die haben sich wirklich im Interesse der Autoren benommen. Sie sind tatsächlich ein Autorenverlag – was fast surreal erscheint bei dieser Größe. Da hab ich schon Glück gehabt.

Es ist toll, dass sich die Verlagslandschaft so entwickelt hat.

Den Stoff organisieren

Jetzt hast Du zwei große Arbeiten geschafft. Wie organisierst Du das viele Material?

Vorher sage ich immer, es werden 250 Seiten. Dann lasse ich dem Comic den Platz, den es braucht. Jetzt sind es 360 und 460 Seiten. Mit den 250 komme ich meistens nicht durch. Aber ich mag dicke Bücher: 250 sind das Minimum, das ich anstrebe. Das klassische Album-Format ist mir viel zu dünn.

Und entwickelst Du die von vorne nach hinten?

Ja, immer. Ich arbeite immer von vorne nach hinten und dann fange ich wieder von vorne an. Ich glaube, es ist ganz wichtig für den Fluss der Geschichte, dass man die Linearität einhält.

Zuerst habe ich mir natürlich die Szenen aufgeschrieben, die unbedingt wichtig sind, dann unterstreiche ich die Texte, die ich unbedingt übernehmen möchte, dann habe ich ein Buch, in dem alles blau und rot unterstrichen ist – das eine ist Text, das andere Bild.

Ich habe ein grobes Konzept, was wann wie aufeinanderfolgt, und während des Arbeitens entdeckt man dann ganz viele Dinge – was funktioniert und was nicht. Ich arbeite mich immer vom Allgemeinen zum Speziellen. Ich habe zunächst eher unspektakuläre Ideen, und dann versuche ich, es immer mehr zu spannen und zu stärken. Es gibt ja Menschen, die haben am Anfang die coolen Ideen, und je länger sie dann dransitzen, desto mehr reibt es sich ab. Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich fange es einfach an, und dann wird es immer ausdifferenziert, je länger ich daran arbeite.

Film oder Kunst?

Es fällt auf, wie viele Bildtechniken, Bildideen im Buch stecken, die nur entstehen, wenn man am Ende noch mal zuspitzt. Was steckt denn mehr drin in Deinen Flughunden – Film oder Kunst?

Ulli_Lust_LP_Flughunde

»Ich kann ja die Perspektive total kippen und der Leser weiß immer noch ganz genau, was gemeint ist.«

Kunst. Film ist so gefangen in der Realitätsnachahmung. Die Zeichnung gar nicht, und das begreife ich als die Stärke des Comics: Diese Vermischung aus Quasi-Realitätsnachahmung und Zeichenhaftigkeit. Ich kann ja die Perspektive total kippen und der Leser weiß immer noch ganz genau, was gemeint ist. Ich versuche immer, das zu zeichnen, was für die jeweilige Szene am allerwichtigsten ist. Das Spannende ist, dass man die vertraute Realität nicht nachbilden, sondern nur wiedererkennbar machen muss. Es muss nur noch die Idee von Weite oder Enge da sein, es muss nicht stimmen. Dadurch kriegt man sehr schöne Bildfindungen.

Nach dem Film zu gehen ist gefährlich. Ich könnte keine Kamerafahrt machen. Das sieht blöd aus. Deshalb ist es besser, den Film nicht als Vorlage zu verwenden.

Aber würde es den Film nicht geben, könnte man vieles nicht so zeichnen, oder?

Ein interessanter Aspekt ist vielleicht, dass sich Comic und Film gleichzeitig entwickelt haben. Ich glaube, die Mechanik des Films und des Comic haben sich parallel entwickelt. Aber der Comic ist nicht einfach ein gezeichneter Film. Er hat sich in eine eigene Richtung entwickelt. Aber natürlich: Die Idee, dass man einen Zeitabschnitt sequenziert in diesen Kästchen – das ist kein Zufall. Es hat mit der Erkenntnis zu tun, dass es so gut funktioniert.

Menschen, die nicht als Jugendliche Comics lesen gelernt haben, sind heute oft noch Comic-Analphabeten. Sie begreifen nicht, dass man diese Bilder einfach nacheinander liest und dechiffriert wie einen Text.

Einflüsse

Kannst Du etwas sagen über die Künstler, die Dich beeinflussen?

from hell

»Ich bin ein Riesenfan von dem Buch From Hell von Alan Moore und Eddie Campbell.«

Puh, meine Güte – ich habe ein paar Vorlieben. Ich bin ein Riesenfan von dem Buch From Hell von Alan Moore und Eddie Campbell. Ich habe das Buch zu einem Zeitpunkt gelesen, als mir noch nicht klar war, wie breit das Spektrum des Comics mittlerweile geworden ist. Ich war eher literatursozialisiert, denn in Österreich gab es überhaupt keine Comicszene.
Ich habe mir manchmal erotische Comics in der Bibliothek ausgeborgt, mehr gab es dort nicht.

In Berlin hatte ich dann richtige Comic-Cracks als Kommilitonen, und ein Freund hat mir From Hell hingelegt, als Heftchenreihe auf Englisch, und ich hab’s verschlungen. Ich war fasziniert von diesem historischen Text – es ging um Jack the Ripper. Die Lebenswelt dieser Frauen in dem Viertel war so wahnsinnig echt beschrieben, das war es, was mich angesprochen hat. Im Nachhinein weiß ich, dass es die Zeichnungen waren. Eddie Campbell hatte sich vorgenommen, gegen die Comictradition des extrem ausdrucksstarken übertriebenen Gestus ganz zurückgenommene lakonische Zeichnungen zu verwenden. Er wollte nicht dieses übertrieben Extrovertierte haben, von dem man klischeemäßig meint, dass es comichaft wäre. Er hat sehr nüchtern erzählt, das hat die Geschichte noch viel intensiver gemacht. Gerade dieses ruhige und zurückgenommene und einfache Layout und Raster hat einen Sog bewirkt, der mich echt mitgerissen hat. Ich habe diese Layout-Raster dann auch bei Heute ist der letzte Tag… verwendet – ein Neuner-Raster.

Grundsätzlich bin ich beeinflusst von einem unaufgeregten Comicerzählen, wie es auch die amerikanischen Independents machen. Ich mag auch sehr gerne Independent-Mangas, die gibt es auch in Japan, wo eben nicht ständig die Augen weit aufgerissen werden und man nicht die Glanzstellen von hunderttausend Pupillen sieht.

Die deutschsprachigen Comickünstler scheinen generell etwas unaufgeregter.

Genau: Damit erreicht man etwas anderes. Sie sind nicht auf die Überwältigung des Lesers aus.

Teil 3 und Schluss des Gesprächs:
»Ich muss bei dem neuen Buch sehr mutig sein.«

Teil 1 des Gesprächs:
»Es muss einen Sinn haben, ein Buch zu adaptieren.«

»Es muss einen Sinn haben, ein Buch zu adaptieren.« Ulli Lust im Gespräch mit Novel Graph. Teil 1

ullilustUlli Lust ist eine der renommiertesten deutschen Comic-Autorinnen. Ihre Bücher finden auch international große Beachtung – sie wird in viele Sprachen übersetzt.
Sie besucht uns an einem Dienstag-Nachmittag für ein Gespräch, bei dem sie zugleich liebevoll einen großen Stapel zweier ihrer Bücher signiert. Sie bringt viel Zeit mit und erlaubt uns, das Gespräch aufzuzeichnen. Es dauert zwei Stunden und wird ein toller Gang durch durch die Arbeit und das Leben der Autorin. Sie lacht viel und sprüht vor Energie.
Das Gespräch führten René Kohl und Inga Wurzbach für Novel Graph.

Comic-Manifest

Ulli Lust, Du hast am Montag im Rahmen der Berliner Literaturwochen das Comic Manifest vorgetragen. Darin fordern zahlreiche namhafte Comic-Zeichner, Verleger, Autoren und sonstige Kulturschaffende die Anerkennung des Comic als Kunst. Ihr fordert eine staatliche oder private finanzielle Förderung und eine Comic-Professur.
Wie war denn die Resonanz auf das Comic-Manifest?

Es ist erstaunlich wahrgenommen worden, es waren ziemlich viele Leute da, auch viele Journalisten. Ich habe z.B. mit dem Deutschlandradio gesprochen und der »Welt« – im Moment bin ich so was wie die Stimme des Manifests, obwohl ich es nur vorlesen durfte… Es ist mir etwas peinlich.

Es gibt eben viel Anerkennung aber auch einige, die sich über das Manifest aufregen müssen und es würdelos finden, wenn Comic-Leute Kulturförderung brauchen.

Von der Arbeit leben

Kannst Du von Deiner Arbeit leben?

Also, ich kann jetzt davon leben, aber es ist sehr kurzfristig und nur, weil ich nicht viel brauche.

Machen sich denn die Erträge aus den Lizenzen bemerkbar?

So langsam. Aber eigentlich verdiene ich eher an den Workshops und Vorträgen. Ich werde jetzt auch in Hannover als Professorin für Zeichnung anfangen, weil ich mich nicht darauf verlassen kann, dass meine Bücher mir meinen Lebensunterhalt dauerhaft verdienen.

Du hast zwei große Sachen in drei Jahren gemacht…

Genau, für Flughunde habe ich zwei Jahre gebraucht, und mein erstes großes Buch, Heute ist der letzte Tag vom Rest meines Lebens, hat vier Jahre gedauert. Das war ein Problem, die Arbeit vorzufinanzieren. Das ging nur mit staatlicher Unterstützung. Ich hatte ein Meisterschülerstipendium von den Hochschulen in Berlin für die Realisierung eines Comics. Und dann habe ich noch 2 Jahre Hartz IV gekriegt. Und das werde ich den Leuten an den Kopf werfen, die sich darüber aufregen, dass man als Comic-Künstler keine Staatsgelder bekommen darf. Das sind so achtziger Jahre-Recken, die denken, alles was Staat ist, ist böse.

Flughunde

Warum hast Du das Buch Flughunde gemacht – der Titel von Marcel Beyer ist ja nicht mehr ganz neu. Wieso hast Du Dir den Stoff ausgesucht – Du hattest ja freie Auswahl?

flughunde original

»Ich fand die Sprache spannend, dieses unglaublich Düstere, Atmosphärische. Das Buch ist gestalterisch eine extrem gute Vorlage.«

Ich bin in die Buchhandlungen gegangen und habe mir alles geschnappt, was von Suhrkamp war. Ich hatte zwei Parameter: Es sollte in Berlin oder Österreich spielen, also in einer Landschaft, die ich kenne, einer Gegend, zu der ich Recherchen betreiben kann, und ich wollte eine weibliche Hauptfigur. Leider war Suhrkamp damals noch in Frankfurt und ich konnte nicht auf das Verlagsarchiv zugreifen. Da heißt, ich war ganz viel in Antiquariaten, und es fielen ganz viele zeitgenössische Stoffe raus. Und es war schwer, eine weibliche Hauptfigur zu finden, die kein totales Opfer ist. In der gesamten Literatur, die vor 1945 stattfindet, sind die Frauen bis auf wenige Ausnahmen immer irgendwie wahnsinnig gehandicapt und leiden an der Gesellschaft. Die Helga Goebbels ist zwar auch irgendwie ein Opfer, aber sie wusste es noch nicht; egal – ich habe dann kapituliert vor dieser Opfer-Problematik.

Marcel Beyer hat es gut hinbekommen mit der Helga Goebbels. Ich fand die Sprache spannend, dieses unglaublich Düstere, Atmosphärische. Das ist gestalterisch eine extrem gute Vorlage. Der Zweite Weltkrieg ist mit auch vertraut – ich habe sehr viel für andere Projekte zu dem Thema recherchiert. Ich habe nur etwa ein halbes Jahr gezögert, ob ich mir den Stoff antun will.

Du verbringst mit dem Stoff zwei Jahre… Und es ist ja eine innerliche Beschäftigung, Du musst Dir die Bilder erst mal selber machen.

Ja, ich habe ca. ein Jahr im Bunker zugebracht. Es ist furchtbar und schrecklich und niederdrückend. Aber wenn ein Stoff eine sehr starke Atmosphäre liefert, ist es künstlerisch attraktiv. Ich bin gespalten, einerseits gefällt mir die Stimmung nicht, in die mich hineinbegeben muss, anderseits freut es mein Autorenherz, dass es so richtig dramatisch zugeht.

Was mir an den Flughunden gefällt: Ich mag gerne dokumentarische und historische Stoffe – auch wenn es mit dem Zweiten Weltkrieg mittlerweile etwas problematisch ist, weil es so extrem codierte Bilder gibt durch diese ganzen Dokumentationen usw. Bei Marcel Beyer fand ich wahnsinnig faszinierend, dass er das Thema auf so eine surreale Bühne gehoben hat. Natürlich ist es der Zweite Weltkrieg, und es gibt diese konkreten Figuren, aber andererseits ist es ein eigenartiges Paralleluniversum. Es könnte genauso gut ein absurdes Theaterstück von Eugène Ionesco sein. Und weil ich so eine ganz starke Vorstellung entwickelt hatte, wie ich es machen würde, habe ich zugesagt.

Ich fand kein anderes Buch, beim dem ich mir so sicher war, dass etwas Gutes herauskommen würde. Es muss ja auch einen Sinn haben, ein Buch zu adaptieren. Ich muss dem geschriebenen Werk etwas Neues hinzufügen können. Ich mach nicht nur die Kurzversion…

Es sieht auch nicht wie die Kurzversion aus – es ist größer und dicker als das Original!

flughunde gn

»Am Anfang gab es vielleicht die Hoffnung im Verlag, dass wir Comiczeichner jetzt die Leichtleseversionen für Schulen machen. Aber das unterschätzt die Möglichkeiten des Comics bei Weitem!«

Am Anfang gab es vielleicht die Hoffnung im Verlag, dass wir Comiczeichner jetzt die Leichtleseversionen für Schulen machen. Aber das unterschätzt die Möglichkeiten des Comics bei Weitem! Es verkennt die Qualität von Comicliteratur! Bilder erzählen anders als Text. Ein Bild hat eine andere Melodie, einen anderen Klang als zum Beispiel die Sprache dieses großartigen Autors. Man kann nicht einfach nur den Inhalt nacherzählen.

Marcel Beyers Buch war auch eine sehr starke textliche Auseinandersetzung mit den Geräuschen, mit den Tönen – mit dem Medium, das weder Schreiben noch Malen ist. Dem Buch war bei Erscheinen zugeschrieben worden, dass es einen guten Weg fand, auf das Hören aufmerksam zu machen – nachdem ein paar Jahre zuvor Süskind mit dem Parfüm auf das Riechen aufmerksam gemacht hatte. Daher war ich gespannt,wie Du es machen würdest.

Das wusste ich von vorneherein. Im Comic gibt es die Soundwords. Ich habe also das Werkzeug in der Hand, um das ins Bild zu integrieren, und es war superinteressant zu überlegen, wie ich es machen könnte.

Ich bin allerdings nicht der große Soundword-Spezialist. Einer der Kritiker schrieb, irgendwann würde es zu viel mit dem Maschinengewehr-Rattern. Aber das waren keine Maschinengewehre – es sollte die Klimaanlage im Bunker sein. Die Kritik kam mehrmals – vielleicht ein Hinweis, dass ich als Künstler etwas schlampig war. Oder die Journalisten haben voneinander abgeschrieben.

Und war es so, dass Suhrkamp zu Dir gekommen ist und Dich um ein Buch bat? Du hattest einen Schreibauftrag ohne Plot?

Andreas Platthaus, der Herausgeber der Reihe, hat mich gefragt, ob ich was machen möchte, und da hieß es tatsächlich: Such Dir ein Buch aus. Es hätte alles sein könne. Ich habe sogar über Lévy-Strauss nachgedacht. Es hätte auch ein wissenschaftliches Buch sein können. Hans-Peter Duerr würde ich wahnsinnig gerne machen. Aber da könnte man nur einen winzigen Abschnitt aus einem Buch herausnehmen, weil er so vielschichtig ist.

OK – der Verlag wollte eine Literaturadaption. Man könnte ja auch was Neues haben wollen.

Nein, sie wollten zunächst keine eigenen Stoffe. Jetzt fangen sie aber an, etwas auszugreifen. Volker Reiche macht dort jetzt eine autobiographische Arbeit.

Am Ende kann ja beides gehen…

Ich finde es sogar wichtig, dass sie auch Originalstoffe machen. Es kann nicht sein, dass der Comic immer nur nachgeordnet ist.

Na ja, es ist ja auch immer eine Frage, was man können will als Künstler. Es gibt viele Partnerschaften aus Autor und Zeichner. Man muss ja keine Geschichte erfinden wollen.

Natürlich, aber für den Comic ist es gut, wenn er nicht nur eine zweite Version ist von einem Stoff, der eh schon gut war.

Wie läuft es ganz praktisch: In Eurem Falle war Suhrkamp der Makler – gibt Marcel Beyer eine Lizenz dazu?

Er musste sein OK geben. Er hatte mein voriges Buch gelesen und hat gesagt: »Ja, soll sie machen«. Und hat mir freie Hand gelassen. Wir haben uns dann ein Jahr später auf einem Literaturfestival getroffen und uns gut verstanden. Ich habe ihm gestanden, dass ich seinen Text schlachte. Er hat nur genickt.

Ich hatte das Glück, auf einen großzügigen Autor zu treffen, der auch abgeben kann.

Ich kenne es eher als Dauerthema im Film, dass der Autor nicht glücklich ist mit der Umsetzung.

Ja, es ist vergleichbar.

Und hat er es jetzt schon gesehen?

Er ist superbegeistert. Er ist total süß und schickt mir Links zu den Rezensionen und kommentiert sie: »Na, der ist aber sehr mäkelig.« Oder: »Genauso soll es sein«. Er ist sozusagen mein Mitstreiter. Wir schreiten Seite an Seite.

Es lohnt sich vielleicht, beide Bücher parallel zu lesen – Beyers Original und Deine Adaption.

Ja – es gibt natürlich Änderungen im Comic. Ich habe ca. ein Drittel der Textmenge des Romans übernommen. Ich musste, um manche Szenen zu verbinden, neue Sachen erfinden. Es ist tatsächlich ein eigenes Werk.

Es kann spannend sein zu schauen, worin die Unterschiede bestehen und warum die so sind – eigentlich perfekt für den Lehrer (sie lacht).

Man kann auf eine gute Weise didaktisch damit umgehen.

Man könnte den Text mit dem Bild vergleichen, dazu den historischen Aspekt. Dann kann man drüber reden, wie Erinnerung funktioniert…

Ich kenne nicht so viele so starke literarische Kunstprodukte, die sich direkt aufeinander beziehen.

Ich bin wahnsinnig glücklich darüber. Ich bin so erleichtert. Ich hatte am Schluss große Angst, dass man mir auf den Kopf haut.

Gibt es schon Interesse aus dem Ausland für Flughunde?

Mein französischer Verlag Editions çà et là ist dabei – der Übersetzer ist schon beauftragt. Eigentlich hätte ich gedacht, dass es auch bei meinem US-Verlag Fantagraphics schnell herauskommt, doch leider ist der Verleger, der mein erstes Buch gemacht und übersetzt hat, einen Monat nach Erscheinen des Buches an Lungenkrebs gestorben, und ich weiß gar nicht, ob dort noch jemand Deutsch spricht im Verlag.

Wie international verbreitet ist denn Marcel Beyers Flughunde?

Sehr. Es gibt auf jeden Fall eine französische und eine englische Ausgabe. Ich bin mir relativ sicher, dass es einen Markt gibt für Flughunde – das Dritte Reich ist leider Gottes Deutschlands bester Export-Artikel.

 

Teil 2 des Gesprächs:
»Film ist so gefangen in der Realitätsnachahmung. Die Zeichnung gar nicht.«

Ignatz Awards 2013: Weitere Nominierungen für Patrick McEown und Ruto Modan

HairshirtNeben Ulli Lust ist als weiterer »Outstanding Artist« Patrick McEown nominiert. Patrick McEown lebt in Montréal, wo er neben seinen künstlerischen Aktivitäten als Gastprofessor an der Concordia University Malerei und Zeichnen lehrt.
Darüberhinaus hat er über einige Jahre als Storyboardzeichner an Serien wie ‘Batman: Beyond’ und ‘X-Men: Evolution’ mitgewirkt und veröffentlichte bereits für eine Vielzahl von Verlagen, darunter Dark Horse, Fantagraphics, Owl und Vice Magazine. Im Zuge seiner zeichnerischen Tätigkeit erhielt er 1993 für die Serie ‘Grendel: Warchild’ den begehrten Eisner Award.

Seine Graphic Novel Hairshirt über das Ende der Kindheit und das Erwachsenwerden, in der Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Traum miteinander verschmelzen, ist erschienen im avant-Verlag, umfaßt 128 Seiten und kostet 19.95 EUR.

Rutu Modan: Das ErbeIn der Kategorie »Outstanding Graphic Novel« ist der auch hierzulande hochgelobte Titel Das Erbe von Rutu Modan nominiert.

In Das Erbe steht eine alte Hinterlassenschaft in Warschau im Zentrum der Erzählung. Eine ältere Dame, die vor den Nazis aus Polen geflohen ist, kehrt mit ihrer Enkelin nach vielen Jahren zurück, um – vordergründig – Anspruch auf ein altes Erbe zu erheben. Doch sie hat mehr auf der Agenda als nur das, es ist für sie auch eine sehr persönliche Reise in die eigene Vergangenheit und zu einem Mann, den sie einst liebte.
Das Erbe erschien bei Carlsen. Der 240 Seiten starke Band kostet 24.90 EUR.

 

Ignatz Awards 2013: 1 Award, 2 Nominierungen für Ulli Lust

Lust, Ulli :  Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens Gleich zwei Nominierungen zum diesjährigen Ignatz Award gibt es für Ulli Lust. Ulli Lust ist 1967 in Wien geboren, sie studierte von 1999–2004 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee; heute lebt und zeichnet sie Comics in Berlin.

Die englische Ausgabe von Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens ist nominiert als eine von fünf “Outstanding Graphic Novels” und Ulli Lust selbst als “Outstanding Artist”.
Der Ignatz Award ist einer der ganz großen Independent Preise.  Wir gratulieren Ulli Lust zur Nominierung und sind gespannt auf die Bekanntgabe der Preisträger am 14. September 2013.
Weitere Infos zum Preis und den Nominierungen gibt es hier:
http://www.spxpo.com/ignatz-awards-2013.

Für das autobiographische Comic-Epos Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens nahm sich Ulli Lust über vier Jahre Zeit. Die in Berlin lebende österreichische Zeichnerin Ulli Lust, bisher vor allem bekannt für ihre Comic-Reportagen (“Fashionvictims, Trendverächter”, avant-verlag) und erotisch-mythologischen Comics (“Airpussy”, L’employé du moi), legt damit die bislang umfangreichste deutschsprachige Comic-Erzählung vor.

Das 450-Seiten-starke Werk kostet 29.95 EUR und ist erschienen im Avant Verlag.

Update 15.9.2013
Ulli Lust bekommt den Ignatz Award 2013 in der Kategorie Outstanding Graphic Novel. Wir gratulieren von ganzem Herzen!
Mehr Infos und alle Preisträger hier:
http://www.spandexless.com/2013/09/congratulations-to-the-2013-ignatz-award-winners/

 

Graphic Novels aus Deutschland

Es tut sich was in der deutschsprachigen Graphic Novel-Szene. Auch wenn der Markt weiterhin von den französischsprachigen, anglo-amerikanischen und japanischern Zeichnern und Textern geprägt ist, macht es doch großen Spaß zu sehen, wie sich die hiesige Zeichnerlandschaft entwickelt.
Die zunehmende Zahl an Verlagen, die Graphic Novels publizieren, schafft vielleicht den notwendigen Platz – an der Klasse der Künstler ist ja schon länger kein Zweifel mehr.

Einer der Altmeister ist Matthias Schultheiss, der nach jahrzehntelanger Comic-Schaffenspause in den letzten Jahren gleich zwei große Werke vorgelegt hat: Viel Filmtechnik,  dazu Mystik, etwas Hippie, das alles in grandioser amerikanischer Landschaft.

Die Reise mit Bill

Henning Wagenbreth, Professor für Illustration und Grafikdesign in Berlin, ist in seinem technisch vielseitigen, dabei äußerst markanten und farbenfrohen Stil vielfältig prägend für die deutsche Comic-Landschaft.

Plastic Dog

Reinhard Kleist scheint am zielstrebigsten an einer internationalen Karriere zu arbeiten – seine Stoffe (Johnny Cash und Fidel Castro) sind tauglich für das ganz große Publikum.

Der Boxer

Isabel Kreitz hat hierzulande mittlerweile wohl alle Comic-Preise bekommen, die vergeben werden. Sie bearbeitet auf vielfältige Weise deutsche Geschichte(n) – ob in Biographien (z.B. über den Serienmörder Fritz Haarmann oder den Agenten Richard Sorge) oder in einer Nacherzählung der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Die Sache mit Sorge

Ganz eigene ästhetische Impulse setzt Birgit Weyhe: Ihre großen Werke Reigen und Im Himmel ist Jahrmarkt markieren eine ganz eigene, sehr literarische Position in der Graphic-Novel-Landschaft.

Reigen

Kitty Kahane hat als Buchillustratorin schon viele Titel mit ihrer Kunst ausgestattet – jetzt hat sie sich an einer Graphic Novel versucht: In 17. Juni. Die Geschichte von Eva und Armin erzählt sie die Geschichte des gescheiterten Aufstands.

17. Juni

Arne Jysch hat als Storyboarder viel Filmerfahrung in seine erste Graphic Novel miteingebracht. Wave and Smile thematisiert die Afghanistan-Mission der Deutschen Bundeswehr. Das Album wurde politisch diskutiert und für seine Detailtreue gelobt.

Wave and Smile

Einen ähnlichen Stoff bearbeiteten David Schraven und Vincent Burmeister in ihrer grafischen Reportage Kriegszeiten. Für das sehr gut recherchierte Buch sind die Autoren unter anderem für den Jungendliteraturpreis 2013 nominiert.

Kriegszeiten

Am ganz großen Stoff arbeitet sich seit Jahren Jens Harder ab: Sein Evolutions-Epos Alpha wurde erst in Frankreich verlegt, bevor es in 2010 in Deutschland erschien. Jetzt warten wir gespannt auf Beta.

Alpha

Ulli Lust gehört zu den höchstdekorierten Comic-Künstlerinnen in Deutschland. Nach dem autobiographischen Werk Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens folgte nun die großartige Literaturadaption von Marcel Beyer, Flughunde.

Flughunde, Graphic Novel

 

Unter den jüngeren Künstlern sorgt Simon Schwartz schon jetzt für Furore: Nach seinem autobiographischen Titel drüben! erschien im letzten Jahr mit Packeis eine richtig schöne satte Abenteuergeschichte.

Packeis

Ein starkes Debut kommt in diesem Jahr von Lukas Jüliger. Dessen Coming-of-Age-Story Vakuum trifft offenbar den Nerv auch des Hochfeuilletons.

Vakuum

Eine wundervoll illustrierte Graphic Diary legt jetzt Danielle de Picciotto vor – eine in Berlin lebende Musikerin, Autorin und Künstlerin. We are Gypsies Now erzählt von einer Reise ins Ungewisse.

We Are Gypsies Now

 

Wir wollen einige der genannten AutorInnen in den nächsten Wochen im Interview vorstellen und sind gespannt über deren Statements zu ihrem Werk, ihren Plänen und zur Graphic Novel-Landschaft.