»Film ist so gefangen in der Realitätsnachahmung. Die Zeichnung gar nicht.« Ulli Lust im Gespräch mit Novel Graph, Teil 2

Käufer- oder Anbietermarkt

Im Graphic Novel-Bereich haben die deutschsprachigen Künstler international im Moment einen deutlich stärkeren Stand als bei den geschriebenen Büchern.

Es gibt auf jeden Fall einige Künstler, die internationale Lizenzen bekommen. Deutsche Zeichner, die hier nicht gedruckt werden, werden in Frankreich gedruckt. Der Markt ist extrem aufgebrochen.

Haben wir hierzulande auch einen Käufermarkt, oder nur einen Anbietermarkt?

Ich bin gespannt. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich die Massen anziehe. Andererseits: Die Medien helfen mir.

Das was Du machst, ist dafür länger haltbar. Die Titel haben eine längere Laufzeit.

Ja, das kann sein.

Suhrkamp

Und Suhrkamp? Wie siehst Du die aktuellen Nachrichten?

suhrkamp

»Ich mag den Suhrkamp-Verlag unheimlich gerne. Die haben sich wirklich im Interesse der Autoren benommen.«

Ich betrachte die Entwicklung sehr locker. Ich habe ja sonst nur mit Kleinverlagen zu tun, deren Existenz am Leben eines einzigen Verlegers hängt: Wenn der einen Herzinfarkt bekommt, ist der Verlag tot.

Wird denn Suhrkamp ein Graphic Novel-Verlag?

Warten wir das mal ab. Sie sind auf jeden Fall gut gestartet. Sie haben es angemessen gemacht. Wir werden sehen, wie es weitergeht.

Suhrkamp ist nicht der Verlag, der Sachen anfängt und gleich wieder sein lässt.

Ich mag den Verlag unheimlich gerne. Die haben sich wirklich im Interesse der Autoren benommen. Sie sind tatsächlich ein Autorenverlag – was fast surreal erscheint bei dieser Größe. Da hab ich schon Glück gehabt.

Es ist toll, dass sich die Verlagslandschaft so entwickelt hat.

Den Stoff organisieren

Jetzt hast Du zwei große Arbeiten geschafft. Wie organisierst Du das viele Material?

Vorher sage ich immer, es werden 250 Seiten. Dann lasse ich dem Comic den Platz, den es braucht. Jetzt sind es 360 und 460 Seiten. Mit den 250 komme ich meistens nicht durch. Aber ich mag dicke Bücher: 250 sind das Minimum, das ich anstrebe. Das klassische Album-Format ist mir viel zu dünn.

Und entwickelst Du die von vorne nach hinten?

Ja, immer. Ich arbeite immer von vorne nach hinten und dann fange ich wieder von vorne an. Ich glaube, es ist ganz wichtig für den Fluss der Geschichte, dass man die Linearität einhält.

Zuerst habe ich mir natürlich die Szenen aufgeschrieben, die unbedingt wichtig sind, dann unterstreiche ich die Texte, die ich unbedingt übernehmen möchte, dann habe ich ein Buch, in dem alles blau und rot unterstrichen ist – das eine ist Text, das andere Bild.

Ich habe ein grobes Konzept, was wann wie aufeinanderfolgt, und während des Arbeitens entdeckt man dann ganz viele Dinge – was funktioniert und was nicht. Ich arbeite mich immer vom Allgemeinen zum Speziellen. Ich habe zunächst eher unspektakuläre Ideen, und dann versuche ich, es immer mehr zu spannen und zu stärken. Es gibt ja Menschen, die haben am Anfang die coolen Ideen, und je länger sie dann dransitzen, desto mehr reibt es sich ab. Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich fange es einfach an, und dann wird es immer ausdifferenziert, je länger ich daran arbeite.

Film oder Kunst?

Es fällt auf, wie viele Bildtechniken, Bildideen im Buch stecken, die nur entstehen, wenn man am Ende noch mal zuspitzt. Was steckt denn mehr drin in Deinen Flughunden – Film oder Kunst?

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»Ich kann ja die Perspektive total kippen und der Leser weiß immer noch ganz genau, was gemeint ist.«

Kunst. Film ist so gefangen in der Realitätsnachahmung. Die Zeichnung gar nicht, und das begreife ich als die Stärke des Comics: Diese Vermischung aus Quasi-Realitätsnachahmung und Zeichenhaftigkeit. Ich kann ja die Perspektive total kippen und der Leser weiß immer noch ganz genau, was gemeint ist. Ich versuche immer, das zu zeichnen, was für die jeweilige Szene am allerwichtigsten ist. Das Spannende ist, dass man die vertraute Realität nicht nachbilden, sondern nur wiedererkennbar machen muss. Es muss nur noch die Idee von Weite oder Enge da sein, es muss nicht stimmen. Dadurch kriegt man sehr schöne Bildfindungen.

Nach dem Film zu gehen ist gefährlich. Ich könnte keine Kamerafahrt machen. Das sieht blöd aus. Deshalb ist es besser, den Film nicht als Vorlage zu verwenden.

Aber würde es den Film nicht geben, könnte man vieles nicht so zeichnen, oder?

Ein interessanter Aspekt ist vielleicht, dass sich Comic und Film gleichzeitig entwickelt haben. Ich glaube, die Mechanik des Films und des Comic haben sich parallel entwickelt. Aber der Comic ist nicht einfach ein gezeichneter Film. Er hat sich in eine eigene Richtung entwickelt. Aber natürlich: Die Idee, dass man einen Zeitabschnitt sequenziert in diesen Kästchen – das ist kein Zufall. Es hat mit der Erkenntnis zu tun, dass es so gut funktioniert.

Menschen, die nicht als Jugendliche Comics lesen gelernt haben, sind heute oft noch Comic-Analphabeten. Sie begreifen nicht, dass man diese Bilder einfach nacheinander liest und dechiffriert wie einen Text.

Einflüsse

Kannst Du etwas sagen über die Künstler, die Dich beeinflussen?

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»Ich bin ein Riesenfan von dem Buch From Hell von Alan Moore und Eddie Campbell.«

Puh, meine Güte – ich habe ein paar Vorlieben. Ich bin ein Riesenfan von dem Buch From Hell von Alan Moore und Eddie Campbell. Ich habe das Buch zu einem Zeitpunkt gelesen, als mir noch nicht klar war, wie breit das Spektrum des Comics mittlerweile geworden ist. Ich war eher literatursozialisiert, denn in Österreich gab es überhaupt keine Comicszene.
Ich habe mir manchmal erotische Comics in der Bibliothek ausgeborgt, mehr gab es dort nicht.

In Berlin hatte ich dann richtige Comic-Cracks als Kommilitonen, und ein Freund hat mir From Hell hingelegt, als Heftchenreihe auf Englisch, und ich hab’s verschlungen. Ich war fasziniert von diesem historischen Text – es ging um Jack the Ripper. Die Lebenswelt dieser Frauen in dem Viertel war so wahnsinnig echt beschrieben, das war es, was mich angesprochen hat. Im Nachhinein weiß ich, dass es die Zeichnungen waren. Eddie Campbell hatte sich vorgenommen, gegen die Comictradition des extrem ausdrucksstarken übertriebenen Gestus ganz zurückgenommene lakonische Zeichnungen zu verwenden. Er wollte nicht dieses übertrieben Extrovertierte haben, von dem man klischeemäßig meint, dass es comichaft wäre. Er hat sehr nüchtern erzählt, das hat die Geschichte noch viel intensiver gemacht. Gerade dieses ruhige und zurückgenommene und einfache Layout und Raster hat einen Sog bewirkt, der mich echt mitgerissen hat. Ich habe diese Layout-Raster dann auch bei Heute ist der letzte Tag… verwendet – ein Neuner-Raster.

Grundsätzlich bin ich beeinflusst von einem unaufgeregten Comicerzählen, wie es auch die amerikanischen Independents machen. Ich mag auch sehr gerne Independent-Mangas, die gibt es auch in Japan, wo eben nicht ständig die Augen weit aufgerissen werden und man nicht die Glanzstellen von hunderttausend Pupillen sieht.

Die deutschsprachigen Comickünstler scheinen generell etwas unaufgeregter.

Genau: Damit erreicht man etwas anderes. Sie sind nicht auf die Überwältigung des Lesers aus.

Teil 3 und Schluss des Gesprächs:
»Ich muss bei dem neuen Buch sehr mutig sein.«

Teil 1 des Gesprächs:
»Es muss einen Sinn haben, ein Buch zu adaptieren.«

»Es muss einen Sinn haben, ein Buch zu adaptieren.« Ulli Lust im Gespräch mit Novel Graph. Teil 1

ullilustUlli Lust ist eine der renommiertesten deutschen Comic-Autorinnen. Ihre Bücher finden auch international große Beachtung – sie wird in viele Sprachen übersetzt.
Sie besucht uns an einem Dienstag-Nachmittag für ein Gespräch, bei dem sie zugleich liebevoll einen großen Stapel zweier ihrer Bücher signiert. Sie bringt viel Zeit mit und erlaubt uns, das Gespräch aufzuzeichnen. Es dauert zwei Stunden und wird ein toller Gang durch durch die Arbeit und das Leben der Autorin. Sie lacht viel und sprüht vor Energie.
Das Gespräch führten René Kohl und Inga Wurzbach für Novel Graph.

Comic-Manifest

Ulli Lust, Du hast am Montag im Rahmen der Berliner Literaturwochen das Comic Manifest vorgetragen. Darin fordern zahlreiche namhafte Comic-Zeichner, Verleger, Autoren und sonstige Kulturschaffende die Anerkennung des Comic als Kunst. Ihr fordert eine staatliche oder private finanzielle Förderung und eine Comic-Professur.
Wie war denn die Resonanz auf das Comic-Manifest?

Es ist erstaunlich wahrgenommen worden, es waren ziemlich viele Leute da, auch viele Journalisten. Ich habe z.B. mit dem Deutschlandradio gesprochen und der »Welt« – im Moment bin ich so was wie die Stimme des Manifests, obwohl ich es nur vorlesen durfte… Es ist mir etwas peinlich.

Es gibt eben viel Anerkennung aber auch einige, die sich über das Manifest aufregen müssen und es würdelos finden, wenn Comic-Leute Kulturförderung brauchen.

Von der Arbeit leben

Kannst Du von Deiner Arbeit leben?

Also, ich kann jetzt davon leben, aber es ist sehr kurzfristig und nur, weil ich nicht viel brauche.

Machen sich denn die Erträge aus den Lizenzen bemerkbar?

So langsam. Aber eigentlich verdiene ich eher an den Workshops und Vorträgen. Ich werde jetzt auch in Hannover als Professorin für Zeichnung anfangen, weil ich mich nicht darauf verlassen kann, dass meine Bücher mir meinen Lebensunterhalt dauerhaft verdienen.

Du hast zwei große Sachen in drei Jahren gemacht…

Genau, für Flughunde habe ich zwei Jahre gebraucht, und mein erstes großes Buch, Heute ist der letzte Tag vom Rest meines Lebens, hat vier Jahre gedauert. Das war ein Problem, die Arbeit vorzufinanzieren. Das ging nur mit staatlicher Unterstützung. Ich hatte ein Meisterschülerstipendium von den Hochschulen in Berlin für die Realisierung eines Comics. Und dann habe ich noch 2 Jahre Hartz IV gekriegt. Und das werde ich den Leuten an den Kopf werfen, die sich darüber aufregen, dass man als Comic-Künstler keine Staatsgelder bekommen darf. Das sind so achtziger Jahre-Recken, die denken, alles was Staat ist, ist böse.

Flughunde

Warum hast Du das Buch Flughunde gemacht – der Titel von Marcel Beyer ist ja nicht mehr ganz neu. Wieso hast Du Dir den Stoff ausgesucht – Du hattest ja freie Auswahl?

flughunde original

»Ich fand die Sprache spannend, dieses unglaublich Düstere, Atmosphärische. Das Buch ist gestalterisch eine extrem gute Vorlage.«

Ich bin in die Buchhandlungen gegangen und habe mir alles geschnappt, was von Suhrkamp war. Ich hatte zwei Parameter: Es sollte in Berlin oder Österreich spielen, also in einer Landschaft, die ich kenne, einer Gegend, zu der ich Recherchen betreiben kann, und ich wollte eine weibliche Hauptfigur. Leider war Suhrkamp damals noch in Frankfurt und ich konnte nicht auf das Verlagsarchiv zugreifen. Da heißt, ich war ganz viel in Antiquariaten, und es fielen ganz viele zeitgenössische Stoffe raus. Und es war schwer, eine weibliche Hauptfigur zu finden, die kein totales Opfer ist. In der gesamten Literatur, die vor 1945 stattfindet, sind die Frauen bis auf wenige Ausnahmen immer irgendwie wahnsinnig gehandicapt und leiden an der Gesellschaft. Die Helga Goebbels ist zwar auch irgendwie ein Opfer, aber sie wusste es noch nicht; egal – ich habe dann kapituliert vor dieser Opfer-Problematik.

Marcel Beyer hat es gut hinbekommen mit der Helga Goebbels. Ich fand die Sprache spannend, dieses unglaublich Düstere, Atmosphärische. Das ist gestalterisch eine extrem gute Vorlage. Der Zweite Weltkrieg ist mit auch vertraut – ich habe sehr viel für andere Projekte zu dem Thema recherchiert. Ich habe nur etwa ein halbes Jahr gezögert, ob ich mir den Stoff antun will.

Du verbringst mit dem Stoff zwei Jahre… Und es ist ja eine innerliche Beschäftigung, Du musst Dir die Bilder erst mal selber machen.

Ja, ich habe ca. ein Jahr im Bunker zugebracht. Es ist furchtbar und schrecklich und niederdrückend. Aber wenn ein Stoff eine sehr starke Atmosphäre liefert, ist es künstlerisch attraktiv. Ich bin gespalten, einerseits gefällt mir die Stimmung nicht, in die mich hineinbegeben muss, anderseits freut es mein Autorenherz, dass es so richtig dramatisch zugeht.

Was mir an den Flughunden gefällt: Ich mag gerne dokumentarische und historische Stoffe – auch wenn es mit dem Zweiten Weltkrieg mittlerweile etwas problematisch ist, weil es so extrem codierte Bilder gibt durch diese ganzen Dokumentationen usw. Bei Marcel Beyer fand ich wahnsinnig faszinierend, dass er das Thema auf so eine surreale Bühne gehoben hat. Natürlich ist es der Zweite Weltkrieg, und es gibt diese konkreten Figuren, aber andererseits ist es ein eigenartiges Paralleluniversum. Es könnte genauso gut ein absurdes Theaterstück von Eugène Ionesco sein. Und weil ich so eine ganz starke Vorstellung entwickelt hatte, wie ich es machen würde, habe ich zugesagt.

Ich fand kein anderes Buch, beim dem ich mir so sicher war, dass etwas Gutes herauskommen würde. Es muss ja auch einen Sinn haben, ein Buch zu adaptieren. Ich muss dem geschriebenen Werk etwas Neues hinzufügen können. Ich mach nicht nur die Kurzversion…

Es sieht auch nicht wie die Kurzversion aus – es ist größer und dicker als das Original!

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»Am Anfang gab es vielleicht die Hoffnung im Verlag, dass wir Comiczeichner jetzt die Leichtleseversionen für Schulen machen. Aber das unterschätzt die Möglichkeiten des Comics bei Weitem!«

Am Anfang gab es vielleicht die Hoffnung im Verlag, dass wir Comiczeichner jetzt die Leichtleseversionen für Schulen machen. Aber das unterschätzt die Möglichkeiten des Comics bei Weitem! Es verkennt die Qualität von Comicliteratur! Bilder erzählen anders als Text. Ein Bild hat eine andere Melodie, einen anderen Klang als zum Beispiel die Sprache dieses großartigen Autors. Man kann nicht einfach nur den Inhalt nacherzählen.

Marcel Beyers Buch war auch eine sehr starke textliche Auseinandersetzung mit den Geräuschen, mit den Tönen – mit dem Medium, das weder Schreiben noch Malen ist. Dem Buch war bei Erscheinen zugeschrieben worden, dass es einen guten Weg fand, auf das Hören aufmerksam zu machen – nachdem ein paar Jahre zuvor Süskind mit dem Parfüm auf das Riechen aufmerksam gemacht hatte. Daher war ich gespannt,wie Du es machen würdest.

Das wusste ich von vorneherein. Im Comic gibt es die Soundwords. Ich habe also das Werkzeug in der Hand, um das ins Bild zu integrieren, und es war superinteressant zu überlegen, wie ich es machen könnte.

Ich bin allerdings nicht der große Soundword-Spezialist. Einer der Kritiker schrieb, irgendwann würde es zu viel mit dem Maschinengewehr-Rattern. Aber das waren keine Maschinengewehre – es sollte die Klimaanlage im Bunker sein. Die Kritik kam mehrmals – vielleicht ein Hinweis, dass ich als Künstler etwas schlampig war. Oder die Journalisten haben voneinander abgeschrieben.

Und war es so, dass Suhrkamp zu Dir gekommen ist und Dich um ein Buch bat? Du hattest einen Schreibauftrag ohne Plot?

Andreas Platthaus, der Herausgeber der Reihe, hat mich gefragt, ob ich was machen möchte, und da hieß es tatsächlich: Such Dir ein Buch aus. Es hätte alles sein könne. Ich habe sogar über Lévy-Strauss nachgedacht. Es hätte auch ein wissenschaftliches Buch sein können. Hans-Peter Duerr würde ich wahnsinnig gerne machen. Aber da könnte man nur einen winzigen Abschnitt aus einem Buch herausnehmen, weil er so vielschichtig ist.

OK – der Verlag wollte eine Literaturadaption. Man könnte ja auch was Neues haben wollen.

Nein, sie wollten zunächst keine eigenen Stoffe. Jetzt fangen sie aber an, etwas auszugreifen. Volker Reiche macht dort jetzt eine autobiographische Arbeit.

Am Ende kann ja beides gehen…

Ich finde es sogar wichtig, dass sie auch Originalstoffe machen. Es kann nicht sein, dass der Comic immer nur nachgeordnet ist.

Na ja, es ist ja auch immer eine Frage, was man können will als Künstler. Es gibt viele Partnerschaften aus Autor und Zeichner. Man muss ja keine Geschichte erfinden wollen.

Natürlich, aber für den Comic ist es gut, wenn er nicht nur eine zweite Version ist von einem Stoff, der eh schon gut war.

Wie läuft es ganz praktisch: In Eurem Falle war Suhrkamp der Makler – gibt Marcel Beyer eine Lizenz dazu?

Er musste sein OK geben. Er hatte mein voriges Buch gelesen und hat gesagt: »Ja, soll sie machen«. Und hat mir freie Hand gelassen. Wir haben uns dann ein Jahr später auf einem Literaturfestival getroffen und uns gut verstanden. Ich habe ihm gestanden, dass ich seinen Text schlachte. Er hat nur genickt.

Ich hatte das Glück, auf einen großzügigen Autor zu treffen, der auch abgeben kann.

Ich kenne es eher als Dauerthema im Film, dass der Autor nicht glücklich ist mit der Umsetzung.

Ja, es ist vergleichbar.

Und hat er es jetzt schon gesehen?

Er ist superbegeistert. Er ist total süß und schickt mir Links zu den Rezensionen und kommentiert sie: »Na, der ist aber sehr mäkelig.« Oder: »Genauso soll es sein«. Er ist sozusagen mein Mitstreiter. Wir schreiten Seite an Seite.

Es lohnt sich vielleicht, beide Bücher parallel zu lesen – Beyers Original und Deine Adaption.

Ja – es gibt natürlich Änderungen im Comic. Ich habe ca. ein Drittel der Textmenge des Romans übernommen. Ich musste, um manche Szenen zu verbinden, neue Sachen erfinden. Es ist tatsächlich ein eigenes Werk.

Es kann spannend sein zu schauen, worin die Unterschiede bestehen und warum die so sind – eigentlich perfekt für den Lehrer (sie lacht).

Man kann auf eine gute Weise didaktisch damit umgehen.

Man könnte den Text mit dem Bild vergleichen, dazu den historischen Aspekt. Dann kann man drüber reden, wie Erinnerung funktioniert…

Ich kenne nicht so viele so starke literarische Kunstprodukte, die sich direkt aufeinander beziehen.

Ich bin wahnsinnig glücklich darüber. Ich bin so erleichtert. Ich hatte am Schluss große Angst, dass man mir auf den Kopf haut.

Gibt es schon Interesse aus dem Ausland für Flughunde?

Mein französischer Verlag Editions çà et là ist dabei – der Übersetzer ist schon beauftragt. Eigentlich hätte ich gedacht, dass es auch bei meinem US-Verlag Fantagraphics schnell herauskommt, doch leider ist der Verleger, der mein erstes Buch gemacht und übersetzt hat, einen Monat nach Erscheinen des Buches an Lungenkrebs gestorben, und ich weiß gar nicht, ob dort noch jemand Deutsch spricht im Verlag.

Wie international verbreitet ist denn Marcel Beyers Flughunde?

Sehr. Es gibt auf jeden Fall eine französische und eine englische Ausgabe. Ich bin mir relativ sicher, dass es einen Markt gibt für Flughunde – das Dritte Reich ist leider Gottes Deutschlands bester Export-Artikel.

 

Teil 2 des Gesprächs:
»Film ist so gefangen in der Realitätsnachahmung. Die Zeichnung gar nicht.«

Das Comic-Manifest

Im Namen zahlreicher prominenter Künstler, Verleger und Kulturveranstalter verlas heute Ulli Lust (Flughunde) auf Initiative des Internationalen Literaturfestivals Berlin im Haus der Berliner Festspiele das “Manifest für die Comic-Kunst”. Gefordert wird eine Anerkennung des Comic als Kunstform (neben Musik, Bildender Kunst, Literatur usw.), die finanzielle Förderung vonm Comic-Projekten sowie die Schaffung eines deutschen Comicinstitutes.

Das Manifest im Wortlaut:

Das Comic Manifest

COMIC IST KUNST. DAS MUSS JETZT AUCH DIE KULTURPOLITIK VERSTEHEN.
Deutsche Comics werden im Feuilleton gefeiert, sie werden in zahlreiche Sprachen
übersetzt und erhalten Preise und Auszeichnungen auf internationalen Festivals.
Comic-Lesungen und Comic-Ausstellungen finden regen Zuspruch, zumal beim jüngeren Publikum, und immer häufiger sind Comics Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten.
Es sind die Comiczeichner, die Comicverleger und andere Akteure, die dem deutschen
Comic praktisch ohne Hilfe von außen dieses Ansehen verschafft haben. Während Film, Theater, Musik und andere Künste — zu Recht — öffentlich gefördert werden, konnten die Zeichner, Szenaristen und Verlagsmitarbeiter ihre beachtlichen Erfolge nur durch Selbstausbeutung erreichen. Es liegt auf der Hand, dass sie mit größeren Ressourcen ihre Potenziale wesentlich stärker entfalten könnten.
Der zeitgenössische Comic ist formal innovativ und inhaltlich anspruchsvoll. Sein Spektrum reicht vom Comicstrip zur Graphic Novel. Eindringliche Geschichten zu gesellschaftlich relevanten Themen prägen heute sein Bild in den Medien. Die stilistische Bandbreite und die fortwährende experimentelle Erneuerung des Comics stehen für die künstlerische Modernität eines Mediums, dessen vielfältige Möglichkeiten längst noch nicht ausgeschöpft sind.
Niemand bezweifelt heute, dass der Comic eine eigenständige Kunstform ist, der ein
gleichberechtigter Platz neben Literatur, Theater, Film oder Oper zusteht. Es ist ein Skandal, dass dies noch immer nicht allgemeiner Konsens ist.

Wir fordern daher, dass der Comic dieselbe Anerkennung erfährt wie die Literatur
und bildende Kunst und entsprechend gefördert wird. Der Comic ist — wie alle
anderen Künste — auf staatliche und private Unterstützung angewiesen.

Die Zahl hervorragender Nachwuchszeichner, die meist an den staatlichen Kunsthochschulen ausgebildet worden sind, wächst stetig, doch es gibt keine Stipendien, die talentierten Zeichnern den Weg zu einer Existenz als Künstler ebnen könnten. Eine Graphic Novel, ein Comicalbum zu schaffen dauert oft länger als ein Jahr, und kaum ein Verlag kann es sich leisten, den Lebensunterhalt eines Künstlers für so lange Zeit zu finanzieren.

Wir fordern daher die finanzielle Förderung von Comicprojekten.

Und schließlich: Förderung bedarf der Koordination und der Diskussion ihrer Maßstäbe.
Noch immer fehlt eine eigene Comicprofessur in Deutschland, noch immer fehlt eine
Institution, die als zentrale Anlaufstelle und kommunikative Begegnungsstätte mit europäischer Ausstrahlung für alle Protagonisten des Mediums dienen kann.

Wir fordern daher die Schaffung eines deutschen Comicinstitutes, das Künstler
zusammenführt, ihre Arbeit wissenschaftlich reflektiert und der kulturellen Bildung
dient.

COMIC IST KUNST.
DAS MUSS JETZT AUCH DIE KULTURPOLITIK VERSTEHEN.

Die Erstunterzeichner des Comic-Manifests sind:
Titus Ackermann [Illustrator]
Ahne [Schriftsteller]
ATAK / Prof. Barber [Comickünstler]
Jim Avignon [Künstler]
Bela B.[Musiker]
Anna Bas Backer [Comiczeichnerin]
Jan Bauer [Trickfilmregisseur]
Bodo Birk [Leiter des Internationalen Comic-Salons Erlangen]
Gregor Breitkopf [Verleger / Dipl. Finanzwirt]
Susanne Buddenberg [Comicautorin]
Karoline Bofinger [Comicredakteurin]
Thomas Böhm [Programmleiter ilb]
Wolf Böwig [Photojournalist]
Romy Blümel [Illustratorin]
Ingo Clauß [Kurator Weserburg Bremen]
Diceindustries [Künstler]
Martin tom Dieck [Künstler / Professor]
Tim Dinter [Illustrator]
Tinet Elmgren [Comiczeichnerin]
Prof. Anke Feuchtenberger [Künstlerin]
Achim Frenz [Museumsleitung caricatura museum frankfurt]
Cornelia Funke [Kinder- und Jugendbuchautorin]
Anna Gabai [Kuratorin und Pädagogin]
Nadja Gebhardt [Redakteurin]
Rolf Giesen [Filmwissenschaftler / Filmjournalist / Sachbuchautor]
Thomas Gilke [Kommunikationsdesigner]
Moritz Götze [Künstler]
Laëtitia Graffart [Redakteurin]
Oliver Grajewski [Bildender Künstler]
Andreas Grasskamp [Biologe]
Lukas Grasskamp [Jurist]
Prof.Dr. Walter Grasskamp [Kunsthistoriker]
Jonas Greulich [Regisseur / Comiczeichner / Verleger]
Thomas Gronle [Illustrator / Comic Autor / Verleger]
Prof. Dr. Dietrich Grünewald [Vorsitzender der ComFor]
Jens Harder [Comiczeichner]
Jutta Harms [Presse]
Jakob Hein [Schriftsteller]
Thomas Henseler [Comicautor]
Gregor Hinz [Comickünstler]
Sascha Hommer [Comiczeichner]
Prof. Markus Huber [Künstler / Kunsthochschul-Professor]
Christiane Mennicke-Schwarz [Kunsthistorikerin und Kuratorin]
Dr. Edmund Jacoby [Verleger]
Andreas C. Knigge [Publizist]
Filip Kolek [Pressesprecher]
Prof. Eike König [Graphic Design / Illustration]
Brigitte Kronauer [Schriftstellerin]
Peter Auge Lorenz [Comicbibliothek Renate]
Ulli Lust [Comiczeichnerin]
Marijpol [Comiczeichnerin]
Mawil [Comiczeichner]
Jens Meinrenken [Kunsthistoriker]
René Mounajed [Historiker und Comicforscher]
Stefan Neuhaus [Kunstpädagoge BDK]
Paul Paetzel [Illustrator]
Felix Pestemer [Comiczeichner]
Kai Pfeiffer [Comickünstler]
Dirk Rehm [Verleger]
Daniel Richter [Künstler]
Ulrich Schreiber [Festivaldirektor ilb]
Mona Schütze [Redakteurin]
Simon Schwartz [Comiczeichner]
Gerhard Seyfried [Comiczeichner/Schriftsteller]
Bela Sobottke [Comiczeichner]
Mikkel Sommer [Comiczeichner]
Elke R. Steiner [Comiczeichnerin]
Nicola Stuart [Verlegerin]
Johann Ulrich [Verleger]
Michael Vogt [Comiczeichner]
Prof. Henning Wagenbreth [Universität der Künste / Klasse Illustration]
Susanne Weiß [Direktorin Heidelberger Kunstverein]
Birgit Weyhe [Comiczeichnerin]
Ulrich Wickert [Journalist / Autor]
Michael Wiesler [Comic-Buchhändler]
Sebastian Wolter [Verleger]
Barbara Yelin [Comiczeichnerin]
Dr. Thomas von Steinaecker [Autor / Journalist / TV Regisseur]
Volker Zimmermann [Übersetzer / Verleger]

Wer möchte, kann das Manifest ebenfalls unterzeichnen.
http://www.literaturfestival.com/comic/manifest

Schönheit von Hubert und Kerascoët als Vorzugsausgabe mit Extradruck

schoenheitDie heißersehnte Reprodukt-Neuerscheinung Schönheit von Hubert und Kerascoët kommt als Vorzugsausgabe mit Extradruck.

Die auf 999 Exemplare limitierte Ausgabe wird mit einem Extra-Cover und einem Extradruck geliefert.

Frühe Vorbestellungen empfehlen sich – die Vorzugsausgabe wird sicherlich schnell verkauft sein.

 

 

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So sieht der Extra-Druck aus!

Schönheit von Hubert und Kerascoët umfaßt 152 Seiten, ist ein Hardcover, kostet 39 EUR und erscheint Anfang Oktober bei Reprodukt.

 

Graphic Novel Day beim 13. Internationalen Literaturfestival in Berlin

Bereits zum dritten Mal wird in das Programm des Internationalen Literaturfestivals in Berlin auch ein Graphic Novel Day eingebaut.
Zwei Wochen nach den Berlin Graphic Days folgt am 8. September 2013 ein weiterer Höhepunkt im Kalender der Comic-Szene .

Hervorragende Künstler sprechen über gute Themen – es müßte ein richtig spannender Tag werden.

Flix: Don QuijoteIm Programmheft heißt es zu diesem Tag: »Das ilb lotet beim dritten Graphic Novel Day aktuelle Tendenzen einer zunehmend populären Kunstform aus, die sich zwischen Literatur und bildender Kunst bewegt. Die Vielfalt der Genres, Themen und Stilformen zeitgenössischer Comics wird in vier Podiumsgesprächen verhandelt. Ergänzt werden diese durch eine Abendveranstaltung mit den Künstlern Danielle de Picciotto und Alexander Hacke, die Musik und grafische Narration kombinieren.
Parallel dazu präsentiert eine bereits ab dem 3. September zu sehende Ausstellung die Arbeiten Berliner Comickünstler. Während der Vernissage wird das Berliner Comicmanifest präsentiert, das Forderungen und Vorschläge
bündelt, wie die Kunstform Comic die ihr gebührende Unterstützung und Aufmerksamkeit bekommen kann. Es wurde erarbeitet von Comic-Autoren, Vertretern des ilb sowie zahlreicher Berliner Institutionen, die sich mit Comics befassen.«

Die Themen der Podiumsgespräche: Literatur und Literaturadaption, Comic und Altag, Grenzüberschreitungen, Die Kunst des Witzes.

Atak: Der GatenErwartet werden u.a. Manuele Fior, Flix, Tim Dinter, Atak, Aisha Franz, Dominique Goblet, Gabi Beltrán, Kati Rickenbach, Ulli Lust, Nicolas Mahler, OL, Danielle de Picciotto und ihr Mann Alexander Hacke.
Die Gespräche moderiert Lars von Thörne vom Tagesspiegel.

Der Graphic Novel Day beim 13. internationalen Literaturfestival in Berlin
findet statt am 8. September im Haus der Berliner Festspiele, Schaperstrasse 24, 10719 Berlin.

Flankierend zum Graphic Novel Day läuft am gleichen Ort die Ausstellung »Comics aus Berlin. Bilder einer Stadt.«

Die 50 größten Graphic Novels aller Zeiten: The Herald, Schottland

Marjane Strapi: PersepolisThe Herald aus Schottland, immerhin die älteste Zeitung der Welt, hat eine große Umfrage unter Zeichnern, Autoren, Kritikern, Verlegern, Journalisten, Comic-Forschern, Comedians und Musikern ausgewertet und die 50 größten Graphic Novels aller Zeiten gekürt.

Platz 1 geht an Marjane Satrapi: Persepolis.

Aus der Perspektive eines kleinen Mädchens erzählt die gebürtige Iranerin Marjane Satrapi von der islamischen Revolution von 1979 und vom Krieg mit dem Irak – und zwar in einer einfachen, aber effektiven Bildsprache. Um dem iranisch-irakischen Krieg zu entkommen, wird sie als Jugendliche von ihren Eltern aus Teheran nach Wien geschickt. Nach vier Jahren kehrt sie trotz der Faszination der europäischen Jugendkultur wegen Heimweh nach Teheran zurück, wo sie als dekadent gilt und mit den täglichen Widerwärtigkeiten des islamischen Regimes konfrontiert wird. Von nun an ist sie nirgendwo mehr zuhause.

Das 2bändige Werk erscheint in Kürze in einer 356 Seiten starken Gesamtausgabe zum Preis von 25 EUR bei der Edition Moderne.

Auf den nächsten Plätzen:

Art Spiegelman, MausPlatz 2 für Art Spiegelman: Maus.

Art Spiegelman verschaffte mit seiner spektakulären, autobiographischen Graphic Novel dem Genre den Durchbruch bei einem breiteren Publikum.

Die Geschichte von Maus veränderte über Nacht die Geschichte des Comic Strips – aus Kult wurde Kunst.

Berichtet wird die authentische Lebensgeschichte des polnischen Juden Wladek Spiegelman. In Queens, New York, schildert er seinem Sohn die Stationen seines Lebens: Polen und Auschwitz, Stockholm und New York, er erzählt von der Rettung und vom Fluch des Überlebens. Art Spiegelman hat diese Geschichte aufgezeichnet, indem er das Unaussprechliche Tieren in dem Mund legt: Die Juden sind Mäuse, die Deutschen Katzen.

Art Spiegelmann, Die vollständige Maus enthält 296 Seiten. Aktuell gibt es eine Ausgabe bei Fischer.

Chris Ware: Jim CorriganPlatz 3 geht an Chris Ware: Jimmy Corrigan

Die erst in diesem Jahr auf deutsch erschienene Graphic Novel (im Original bereits seit 2000 auf dem Markt) löste weit über die Grenzen der Comicwelt hinaus Begeisterung aus. Seitdem gilt das Buch als Jahrhundertcomic, der die Ausdrucksmöglichkeiten von Bild und Wort radikal ausschöpft und damit beweist: Es gibt große Literatur, die sich nur als Comic erzählen lässt.

»Jimmy Corrigan« ist ein linkischer und dauerkränkelnder Enddreißiger, der ein Dasein als unauffälliger Büroangestellter fristet. Sein soziales Leben beschränkt sich auf die täglichen Kontrollanrufe der Mutter – und findet ansonsten in seinen tagträumerischen Heldenfantasien statt. Ein Brief seines Vaters, der nach jahrzehntelanger Abwesenheit die Beziehung wiederbeleben möchte, reißt ihn schließlich aus seinem lethargischen Alltag heraus.#

Chris Ware: Jimmy Corrigan, 384 Seiten, erschienen bei Reprodukt.

Auf den weiteren Plätzen u.a.

4.) Charles Burns: Black Hole

5.) Daniel Clowes: Ghost World

6.) Alan Moore: From Hell

7.) Jaime Hernandez, Locas

8.) Alan Moore: Watchmen

9.) Alan Moore: V wie Vendetta

10.) Joe Sacco: Palästina

11.) Katsuhiro Otomo: Akira

12.) Frank Miller: Batman.: The Dark Knight Returns

13.) Glyn Dillon: The Nao of Brown

14.) David B.: Die heilige Krankheit

15.) Alexandro Jodorowsky / Moebius:  Der Incal. In weiter Ferne

 Die gesamte Liste des Herald findet sich hier

Fast alle genannten Titel sind auf deutsch oder im Original in unserem Shop lieferbar – zu vielen Titeln zeigen wir ausführliche Leseproben.

»Absolut empfehlenswert« Mario Osterland im Tagesspiegel über Frank Schmolkes Trabanten

Franz Schmolke: Trabanten Mario Osterland enthüllt im Tagesspiegel die Bezüge der Graphic Novel Trabanten von Frank Schmolke als feine literarische Referenz an Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz – auch wenn der Schauplatz jetzt München heißt.

Der junge Franz Huber kommt aus dem Knast und will fortan alles richtig machen. Doch schon bald steckt er wieder mitten in den größten Schwierigkeiten.

Als Franz das Wiedersehen mit seinen Freunden Paul und Robert feiert, kommt es zu einem tödlichen Unfall. Und jetzt sind Franz und Paul auf der Flucht vor Roberts psychopathischem und gewalttätigem Bruder.

Frank Schmolke: Trabanten. DetailFranz‘ Panik vor dem erneuten Verlust seiner Freiheit wird immer heftiger. Dabei hatte die Entdeckung der Liebe und des Künstlers Jackson Pollock dieser Freiheit gerade einen Sinn verliehen! Frank Schmolke erzählt stimmungsvoll und authentisch vom verzweifelten Kampf eines jungen Mannes um sein Leben und seine Identität im München der frühen 1980er-Jahre.

Trabanten von Franz Schmolke erschien in der Edition Moderne, umfaßt 200 Seiten und kostet 24 EUR:

Berlin Graphic Days

Am 23. und 24. August 2013 finden im KaterHolzig die zweiten Berlin Graphic Days  statt.

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Eingeladen sind nationale und internationale Grafiker, Illustratoren, Siebdrucker und Künstler, die sich aus den unterschiedlichsten grafischen Bereichen hervorgetan haben.
Die Berlin Graphic Days sind sowohl Exhibition als auch Sale.

Neben den angesagten Illustratoren MIKE FRIEDRICH und MICHAEL HACKER, die exklusiv für die zweiten Berlin Graphic Days die beiden tollen Veranstaltungsplakate gestaltet haben, sind mit dabei u.a.:
Bombina Studios * Adrian Schotsch * Andreas Preis * Lokum Quest Factory * Trigowna * Twisted Talents * Casiegraphics * Apfelzet * Berlin Ink * Corporate Concept & Character * Crash Clothing * Sophia Halamoda Illustrations * Palefroi * Janta Island * Robert Malte Engelsmann * Farbkind * Klebeland * Maike Biederstaedt * Fink Pink * Flockeart * Shortriver * Zellerluoid * Alma – Sandy Gessner * Avant Verlag * Björn Rogatti * Boje Arndt Kiesiel * Desda * Dwar * Emma Rytoft * Francesca Sai * Glönn * Johannes Stahl/Joemadethis * Katarzyna Doleci?ska * Marlene Brüggemann * Morena Regaiolli * Pukizo * Puntasecca * Zumheimathafen * Apnoe Art
u.v.m.

Könnte also nett werden!

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Graphic Novel-Verlage aus Deutschland

Die deutschsprachige Comic-Verlags-Landschaft ist erfreulich breit ausgelegt. Neben etablierten Comic-Fach-Verlagen erscheinen mehr und mehr Graphic Novels in den klassischen Buchverlagen, manchmal als Titel innerhalb des literarischen Programms, zunehmend aber auch als eigene Reihen oder Imprints.

Neben Carlsen und Ehapa, die bereits seit den 60er Jahren Deutschland mit Asterix, Micky Maus, Tim & Struppi und Lucky Luke versorgen, ist der dritte dicke Fisch auf dem Markt Panini, seitdem sie vor gut 10 Jahren den Dino Verlag kauften. Obwohl alle drei einen Großteil ihres Geschäfts mit Serien machen – in den letzten Jahren natürlich auch mit Mangas – , erscheinen bei ihnen aber auch relevante Einzelwerke. Egmont Ehapa hat zur besseren Präsentation jetzt das Label Egmont Graphic Novel gegründet.

Bei Martin, George R. R. ;  Patterson, Tommy ;  Abraham, Daniel  :  Game of Thrones - Das Lied von Eis und FeuerCarlsen erscheinen viele der großen französischen Autoren, aber auch Reinhard Kleist und Jiro Taniguchi, bei Panini kommen unter anderem die Watchmen-Titel von Alan Moore und George R. R. Martins Game of Thrones.

Seit den 80er Jahren wurden dann einige bis heute sehr relevante Comic Independent Verlage gegründet, die bis heute mit starken Autoren und Titeln aufwarten.

 

 

Der älteste Satrapi, Marjane : Persepolis Gesamtausgabeder Independents ist wohl die Edition Moderne aus Zürich, die seit den frühen 80er Jahren Comics und Graphic Novels verlegen, unter anderem José Antonio Muñoz, Jacques Tardi und – ein Riesenerfolg – Persepolis von von Marjane Satrapi.

Herausragend der Reprodukt Verlag aus Berlin, der im Jahr 20 – 25 Titel herausgibt – dort wurden viele deutschsprachige Künslter entdeckt, aber auch internationale Top-Titel wie die Blast-Serie von Manu Larcenet oder Chris Wares Jimmy Corrigan.

 

Kverneland, Steffen  :  Munch

Ebenfalls aus Berlin kommen die KollegInnen vom Avant-Verlag, die unter anderem hochkarätige Künstlerbiographien publizieren – zuletzt eine Schwitters- und eine Munch-Biographie.

2001 wurde Cross Cult gegründet – wo ebenfalls u.a. Titel von Alan Moore sowie von Frank Miller erscheinen.

2009 wurde in der Schweiz Walde + Graf gegründet. Das Label brachte schöne Titel, u.a. Die Monkey Wrench Gang mit Illustrationen von Robert Crumb, und wird nun als Imprint im Programm des jungen Berliner Verlags Metrolit fortgeführt.

Knesebeck in München verlegt insbesondere Graphic-Novel-Biographien und Literatur-Adaptionen. Herauszuheben ist das große Proust-Projekt von Stéphane Heuet.

Viele Titel der genannten Verlage sind in den letzten zwei Jahren in 3 großen Staffeln des Buchverlags der Süddeutschen Zeitung erschienen.

Süddeutsche Zeitung Bibliothek Graphic Novels Krimi 8 Bände im Paket

Wir möchten einige der Macher in den Labels in den nächsten Wochen über ihre Unternehmen, ihre Pläne und ihren Blick auf den Graphic Novel-Markt interviewen.

Graphic Novels aus Deutschland

Es tut sich was in der deutschsprachigen Graphic Novel-Szene. Auch wenn der Markt weiterhin von den französischsprachigen, anglo-amerikanischen und japanischern Zeichnern und Textern geprägt ist, macht es doch großen Spaß zu sehen, wie sich die hiesige Zeichnerlandschaft entwickelt.
Die zunehmende Zahl an Verlagen, die Graphic Novels publizieren, schafft vielleicht den notwendigen Platz – an der Klasse der Künstler ist ja schon länger kein Zweifel mehr.

Einer der Altmeister ist Matthias Schultheiss, der nach jahrzehntelanger Comic-Schaffenspause in den letzten Jahren gleich zwei große Werke vorgelegt hat: Viel Filmtechnik,  dazu Mystik, etwas Hippie, das alles in grandioser amerikanischer Landschaft.

Die Reise mit Bill

Henning Wagenbreth, Professor für Illustration und Grafikdesign in Berlin, ist in seinem technisch vielseitigen, dabei äußerst markanten und farbenfrohen Stil vielfältig prägend für die deutsche Comic-Landschaft.

Plastic Dog

Reinhard Kleist scheint am zielstrebigsten an einer internationalen Karriere zu arbeiten – seine Stoffe (Johnny Cash und Fidel Castro) sind tauglich für das ganz große Publikum.

Der Boxer

Isabel Kreitz hat hierzulande mittlerweile wohl alle Comic-Preise bekommen, die vergeben werden. Sie bearbeitet auf vielfältige Weise deutsche Geschichte(n) – ob in Biographien (z.B. über den Serienmörder Fritz Haarmann oder den Agenten Richard Sorge) oder in einer Nacherzählung der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Die Sache mit Sorge

Ganz eigene ästhetische Impulse setzt Birgit Weyhe: Ihre großen Werke Reigen und Im Himmel ist Jahrmarkt markieren eine ganz eigene, sehr literarische Position in der Graphic-Novel-Landschaft.

Reigen

Kitty Kahane hat als Buchillustratorin schon viele Titel mit ihrer Kunst ausgestattet – jetzt hat sie sich an einer Graphic Novel versucht: In 17. Juni. Die Geschichte von Eva und Armin erzählt sie die Geschichte des gescheiterten Aufstands.

17. Juni

Arne Jysch hat als Storyboarder viel Filmerfahrung in seine erste Graphic Novel miteingebracht. Wave and Smile thematisiert die Afghanistan-Mission der Deutschen Bundeswehr. Das Album wurde politisch diskutiert und für seine Detailtreue gelobt.

Wave and Smile

Einen ähnlichen Stoff bearbeiteten David Schraven und Vincent Burmeister in ihrer grafischen Reportage Kriegszeiten. Für das sehr gut recherchierte Buch sind die Autoren unter anderem für den Jungendliteraturpreis 2013 nominiert.

Kriegszeiten

Am ganz großen Stoff arbeitet sich seit Jahren Jens Harder ab: Sein Evolutions-Epos Alpha wurde erst in Frankreich verlegt, bevor es in 2010 in Deutschland erschien. Jetzt warten wir gespannt auf Beta.

Alpha

Ulli Lust gehört zu den höchstdekorierten Comic-Künstlerinnen in Deutschland. Nach dem autobiographischen Werk Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens folgte nun die großartige Literaturadaption von Marcel Beyer, Flughunde.

Flughunde, Graphic Novel

 

Unter den jüngeren Künstlern sorgt Simon Schwartz schon jetzt für Furore: Nach seinem autobiographischen Titel drüben! erschien im letzten Jahr mit Packeis eine richtig schöne satte Abenteuergeschichte.

Packeis

Ein starkes Debut kommt in diesem Jahr von Lukas Jüliger. Dessen Coming-of-Age-Story Vakuum trifft offenbar den Nerv auch des Hochfeuilletons.

Vakuum

Eine wundervoll illustrierte Graphic Diary legt jetzt Danielle de Picciotto vor – eine in Berlin lebende Musikerin, Autorin und Künstlerin. We are Gypsies Now erzählt von einer Reise ins Ungewisse.

We Are Gypsies Now

 

Wir wollen einige der genannten AutorInnen in den nächsten Wochen im Interview vorstellen und sind gespannt über deren Statements zu ihrem Werk, ihren Plänen und zur Graphic Novel-Landschaft.